Die Getreideernte

Es ist mitunter die wichtigste Zeit im Jahr. Nach der Saat des Getreides im Oktober steht im Juli bis August die Getreideernte an. Dazwischen liegen 9-10 Monate, in denen das Korn zu einer großen, stabilen Pflanze mit einem Fruchtstand (meist der Ähre) reift. Viel steht während dieser Zeit auf dem Spiel. Auf unserem Hof das Mehl als Grundlage für das Brot das ganze Jahr über.

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Sophie im Dinkelfeld.

Das Getreide

Wäre euch schon mal in den Sinn gekommen, dass das Gras in eurem Garten zur gleichen Pflanzenfamilie wie das Getreide im Acker gehört? Das mag anfangs komisch klingen, ist aber tatsächlich so. Beides gehört zur Familie der Süßgräser. Etwas leichter zu verstehen ist das, wenn man auf eine Wiese blickt, die erst im Juli gemäht wird. Die Gräser haben bereits ihren Fruchtstand ausgebildet und haben ihre Farbe von grün auf braun bis gelb gewechselt. Nichts anderes passiert beim Getreide, das im Jugendstadium wie eine grüne Wiese aussieht. Natürlich haben die heutigen Sorten durch Züchtung mehr und größere Körner im Vergleich zu früher und ihren Verwandten, den Wiesengräsern.

Roggen im Dezember
Der Roggen im Dezember.

Wenn das Getreide reif wird…

Der Zeitpunkt der Getreideernte ist ein Antasten an den optimalen Zeitpunkt anhand mehrerer Parameter. Zuerst wäre da einmal die Farbe. Braun bis goldgelb muss es sein. Die gesamte Energie des Chlorophylls, das der Pflanze die grüne Farbe verleiht, wird während der Reife in die Körner gesteckt. Dann die Körner, die sich von der Milchreife (sehr weich) über die Teigreife bis zur Vollreife (bissfest) entwickeln. Damit hängt auch der Wassergehalt der Körner zusammen. Maximal 14 % Wasser darf das Korn in sich haben, um lagerfähig zu sein. Kommt euch das bekannt vor? Richtig. In der Hofgeschichte über das Futter für die Tiere habt ihr vom Heu gelesen, bei dem das gleich ist. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass das Getreide mit mehr Feuchtigkeit gedroschen wird. Dann schafft eine Trocknungsanlage Abhilfe, bei der das gleichmäßig aufgeschüttete Getreide von unten mit warmer Luft durchströmt wird und so fertig trocknet.

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Der Mähdrescher bei der Arbeit.

Und jetzt ist der Mähdrescher dran

Solange das Getreide am Feld steht, kann immer etwas passieren. Hagel, Sturmregen und Dürre können zu Ertragsverlusten bis zu Totalausfällen führen. Umso schöner ist es, wenn der Zeitpunkt der Ernte und damit auch der Mähdrescher kommt. Scheinbar mit Leichtigkeit schneidet er die Getreidehalme ab und trennt die Körner vom Stroh. Dieses fällt hinten heraus und dient als Einstreu für Tiere oder bleibt als Dünger am Feld. Ein besonders schönes Gefühl ist, wenn die Körner am Anhänger und unter Dach sind. Die Ernte ist dann buchstäblich im Trockenen.

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Goldgelb, so soll das Stroh sein.

…und dann?

Wir haben heuer Dinkel und Roggen angebaut. Beide Getreidearten eignen sich hervorragend zum Brot backen. Der Roggen, eine sehr widerstandsfähige Sorte, wird nach dem Dreschen gereinigt. Dabei werden unerwünschte Körner (vor allem Unkräuter) aussortiert. Nach dem Reinigen folgt die Abfüllung in Säcken, die dann kühl und dunkel gelagert werden. Beim Dinkel ist die Geschichte komplizierter. Nach dem Dreschen sieht man vom Korn erstmal noch nichts. Dieses ist versteckt unter Spelzen, die die Körner schützen. Mithilfe einer Entspelzungsanlage wird die Ummantelung des Korns entfernt.

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Der Dinkel vor dem Entspelzen.

Die Spelzen sind aber kein Abfallprodukt, sondern können als Einstreu in Hühnernester oder als Kissenfüllung verwendet werden. Danach folgt das gleiche Prozedere wie beim Roggen. Und am Ende geht es allen Körnern gleich: entweder landen sie im Brot oder werden im Herbst zu einer neuen Getreidepflanze.

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Blick von der Kuhweide auf zwei gedroschene Getreideäcker.

Vom Kühe melken und Melken mit Martin

Es ist 5 Uhr früh. Der Wecker klingelt. Ein kurzer Gedanke. Kann ich weiterschlafen? Selbstständig bin ich ja, aber die Kühe warten trotzdem. Also raus aus dem Bett und rein in den Stall. Im Winter, wenn alles finster ist, fällt das schwerer, im Sommer geht das leichter. Licht aufdrehen, Radio einschalten und ein lautes „Guten Morgen, Muhlis“. Ganz begeistert sind auch die Kühe nicht. Ob sie schlafen, ist schwer zu sagen, nachdem sie ihre Augen beim Schlafen nicht immer schließen. Sagen wir, sie ruhen. Und wiederkauen ihr Futter, das in Paketen aus dem Pansen kommt. Einige stehen gleich motiviert auf und gehen in den Melkstand. Je nach Rangfolge und Rhythmus. Drei Kühe brauchen wir pro Melkvorgang. Dann wieder drei und wieder drei, bis alle gemolken sind. Maximal 15 Kühe haben wir. Die anderen können bis dahin noch liegen bleiben. Aber dran kommt Jede. In der Früh wie am Abend. Tagein, tagaus. Auch am Sonntag und nach Silvester (wenn es besonders schwer fällt).

Entspannte Katze beim Melken
Die Katzen fühlen sich während dem Melken besonders wohl!

Warum werden Kühe überhaupt gemolken?

In der Mutterkuhhaltung ist die Milch ausschließlich für die Kälber, die sie selbst von ihren Müttern trinken. In der Milchviehhaltung muss die Milch gemolken werden, um dem Menschen zur Verfügung zu stehen. Das erste Mal gibt eine Kuh nach der Geburt des ersten Kalbs Milch. Danach gibt die Kuh eine Saison lang (Laktation genannt) Milch, bevor sie eine ca. zweimonatige Ruhezeit bekommt. Dieses sogenannte „Trockenstellen“ gibt der Kuh die Möglichkeit, sich gut auf das nächste Abkalben vorzubereiten. Im Schnitt dauert eine Laktation 305 Tage.

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Unser Melkstand.

Das Melken

Unsere Kühe werden in einem Fischgrätenmelkstand mit drei Plätzen gemolken. Den Namen hat dieser Melkstand von seiner Form, die Fischgräten ähnlich sind. Die Kühe sind dabei schräg angeordnet. Für den Melker bietet der Melkstand den Vorteil, sich in aufrechtem Stand zur Kuh dazustellen zu können. Wenn drei Kühe im Melkstand sind, werden von jeder der vier Zitzen einige Milliliter vorgemolken, um die Milch zu überprüfen. Zuerst befindet sich die Milch im oberen Teil des Euters. Durch das Vormelken und die vertraute Atmosphäre im Melkstand rinnt die Milch in den unteren Teil des Euters und kann gemolken werden. Vor dem Anstecken der vier Melkzeuge wird das Euter noch sauber gereinigt und dann kann es losgehen. Dann braucht es ca. 10 Minuten, bis die ca. 10-15 Liter gemolken sind. Danach ist die Vorfreude auf das frische Futter am Fressplatz groß und die Kühe machen Platz für die nächsten drei Kolleginnen. Der Weg der Milch führt dann über die Rohrleitung in den Milchtank und wird dort von den ca. 37°C im Euter auf 4,5°C heruntergekühlt. Alle zwei Tage kommt der Milchwagen und holt die Milch ab. Oder die Rohmilch wird frisch am Hof verkauft oder zu Topfen und Joghurt verarbeitet.

Kühe beim Fressen
Nach dem Melken freuen sich die Kühe auf das frische Futter.

Melken mit Martin

Früher hatten die meisten Familien am Land einen kleinen Bauernhof. Und die meisten zumindest eine oder mehrere Kühe. Und damit konnten auch viele melken. Heute ist das anders. Es gibt nur mehr wenige Milchviehbetriebe und damit sind auch die Melkerfahrungen weniger geworden. Dabei haben Viele den Wunsch, einmal eine Kuh zu melken und bei der Stallarbeit dabei zu sein.

Du auch? Wir geben dir die Möglichkeit dazu!

Begleite Martin bei der täglichen Stallarbeit und melke deine erste eigene Kuhmilch.

Alle Info dazu findest du hier!

Nachbarkinder
Von klein bis groß waren Viele bereits beim Melken dabei.

Frühlingskräuter

Fragt ihr euch auch, wie schnell der Übergang zwischen Winter und Frühling bzw. Sommer heuer eigentlich über die Bühne gegangen ist? Hier stellen wir einige Frühlingskräuter von April und Mai vor.

Fragt ihr euch auch, wie schnell der Übergang zwischen Winter und Frühling bzw. Sommer heuer eigentlich über die Bühne gegangen ist?

Ruhten die Pflanzen Ende März teilweise noch im Schnee, sind sie ab Mitte April jedoch schon so richtig aus den Startlöchern geschossen und haben den zweiwöchigen Vegetationsrückstand bis Mitte Mai zu einem zweiwöchigen Vorsprung (!) ausgebaut.

Übergangsphasen waren früher.

Heuer ist die Überholspur angesagt!

Landschaften haben durch diese regelrechte „Explosion“ der Natur dadurch sehr rasch ihr Aussehen verändert, sind von einer kargen Winterlandschaft, zu saftigem Grün, zur üppig-blühenden Vielfalt bis teilweise zur frühen Fruchtreife gewechselt.

In dieser Phase hat Sophie versucht, ein Herbarium für ihren Kräuterpädagogikkurs anzulegen, was – zugegeben – manchmal zur Herausforderung wurde.

Nicht nur für diese – menschlichen – Bedürfnisse (Stichwort: Luxusproblem!) stellte der rasante Wechsel der Vegetation und die schnellen Vegetationsschritte also ein Problem dar, auch unsere fleißigen kleinen Bestäuberinnen, Bienen und Hummeln, waren sichtbar im Stress – mussten doch die Blüten in kürzester Zeit bestäubt und die wertvollen Trachten wieder heil in den Stock gebracht werden.

Gar nicht so einfach bei so vielen blühenden Pflanzen!

So war beispielsweise die Blüte unserer Obstbäume, wie Apfelbaum, Kirschbaum, Birnbaum und deren Freunden, nach jeweils einer Woche Vollblütezeit bereits wieder vorbei.

Kann man also nur hoffen, dass die lieben Bienen in dieser Zeit auch möglichst viele Blüten besucht und auch bestäubt haben.

Rote Kirschen, saftige Äpfel, mehlige Kastanien oder duftende Quitten, wird es ansonsten nämlich im Herbst nur in raren Mengen geben.

Ändern kann man an der Sache mit den schnellen Vegetationsschritten und dieser grünen Explosion natürlich nichts, die Natur macht ihre Sache und wir können uns ihren Zeitvorgaben nur anpassen, diese nicht – wie ansonsten so Vieles in unserer Umgebung oder unserem Umfeld – ändern, oder gar an uns anpassen.

Und das ist auch gut so.

Trotzdem – oder gerade deswegen – haben auch wir uns von der Natur in den letzten Wochen und an den letzten Wochenenden ein wenig stressen lassen.

Einige Arbeiten – neben der Erstellung des Herbariums, betrifft dies natürlich auch die Heuernte und die Verarbeitung der ersten Mahd zu Grassilage – können einfach nur im Einklang und im Rhythmus mit der Natur durchgeführt werden.

Reges Treiben auf unseren Wiesen, Weiden und Feldern war da natürlich die logische Folge. 🙂

Herbarium.

Um ein ansehnliches und gut sortiertes Herbarium zu erstellen braucht man 4 Dinge: alte Zeitungen, eine (selbstgebaute) Pflanzenpresse um die Pflanzen schön konservieren zu können, ein Pflanzenbestimmungsbuch und – das wichtigste Kriterium – Zeit. Gerade in Phasen, wo unsere Natur nahezu explodiert, ist es wirklich wichtig, regelmäßig auf die Wiesen, Weiden und Wälder zu gehen, die Pflanzen zu bestimmen und, wenn man möchte und die Pflanzen nicht geschützt sind, einzelne Pflanzen mitzunehmen und zu pressen. Sophie ist ca. alle zwei Wochen zum Sammeln unterwegs gewesen und hat jeweils ca. 20 neue Pflanzen mitgebracht. Und dabei waren das bei weitem noch nicht alle Wildkräuter, die neu zu bestimmen waren, sondern nur die jeweils auffälligsten!

Einige Pflanzen die auf und rund um unsere Weiden, Wiesen und Wälder wachsen, möchten wir euch hiermit vorstellen. Vielleicht habt ihr ja das Glück sie auf euren nächsten Spaziergängen zu entdecken… dann grüßt sie von uns und sagt ihnen Bescheid, dass sie jetzt kleine „Hofgeschichten-Stars“ sind. 😉

Die ersten beiden Aprilwochen.

Die „Frühblüher“ sind unterwegs.

Lerchensporn – Lungenkraut – Seidelbast – Hundszahnlilie – Krokus – Schaumkraut – grüne Nieswurz

Dritte und vierte Aprilwoche.

Immergrün – Frühlings-Platterbse – Erdbeere – Gundelrebe – Hirtentäschel – große Sternmiere – Goldnessel – Beinwell

Mai.

Quitte – weißer Günzel – Beinwell – Pechnelke – Glockenblume – Holunder – Wicke – Luzerne – Steinklee – Rose – Baldrian

Holunderblütensirup.

Zu guter Letzt haben wir auch noch ein Rezept für euch. Wer schnell ist, kann jetzt nämlich noch einen eigenen Holundersirup herstellen:

  • 3kg Zucker
  • 2 Liter Wasser
  • 30 große Holunderblütendolden
  • 2 Zitronen
  • 4 Orangen
  • 50g Zitronensäure
Holunderblütensirup
Holunderblütensirup

Alles vermischen, Zucker und Säure auflösen und 3 Tage lang ziehen lassen. Dann die Blüten, Orangen und Zitronen abseihen, den Sirup auf 75°C erwärmen und durch ein feines Sieb oder einen Filter heiß in saubere Flaschen abfüllen. Die fertigen Flaschen kühl und dunkel lagern. Viel Spaß dabei!

Warum Bio?

Ist es ein Trend oder etwas, dass eigentlich nur das Normale ist? Ist es die Zukunft oder nur ein Marketinggag? Es geht um Bio. Für manche sind das biologische Lebensmittel. Für andere ist das eine Lebenseinstellung. Auf unserem Hof gehört es einfach dazu.

Warum?

Weil wir unseren Hof schon lange biologisch bewirtschaften und davon überzeugt sind. Um beides zu verstehen, lohnt sich ein Rückblick.

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Bereits mein Opa (heute 91 Jahre alt) stellte auf biologischen Landbau um. Offiziell war das im Jahr 1969. Überzeugt von seinem Bruder Franz Kappel, der ein Pionier im Biolandbau in Österreich war. Das war lange, bevor in den 80er-Jahren die ersten Bio-Richtlinien kamen und Bio-Verbände gegründet wurden. Gerne erinnere ich mich an eine Geschichte von meinem Opa. Er erzählte mir, dass bereits sein Vater die Kühe zum Grasen auf die Weide ließ. Dabei war die ständige Anbindehaltung in finsteren Ställen damals gleich gewöhnlich wie Hühner, die in Käfigen gehalten wurden. Er folgte seinem Instinkt. Dieser gab den Pionieren auch die Motivation, sich nach dem 2. Weltkrieg und einer aufstrebenden Landwirtschaft Gedanken über ein Landwirtschaftssystem abseits von chemischen Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger zu machen, die gerade im Aufkommen waren. Was über tausende von Jahren nicht vorhanden war, sollte auf einmal das Allheilmittel für die Lebensmittelerzeugung sein. Doch sie kämpften für ihre Vision und legten damit den Grundstein, dass sich Österreich heute mit 24 %-Flächenanteil Bio-Europameister nennen darf.

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Das Grasen der Kühe auf der Weide ist ein wichtiges Merkmal im Bio-Landbau.
sdr
…und sie genießen es!

Aber warum biologisch?

Es gibt viele Gründe, die für eine biologische Bewirtschaftung sprechen. Düngung mit organischen Düngern, Verzicht auf mineralische Düngemittel und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, artgerechte Tierhaltung mit Auslauf und Weidegang, Verzicht auf gentechnisch hergestellte Betriebsmittel, ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf, etc. All das wird auf unserem Hof gelebt. Besonders gut spiegelt sich bei uns der Kreislaufgedanke wider. Die Kühe werden mit hofeigenem Futter gefüttert, der Dünger wird auf die eigenen Flächen ausgebracht und daraus wächst das Gras und Getreide. Der Kreis schließt sich, wenn das Getreide (Dinkel und Roggen) in der Backstube zu Brot und Gebäck verarbeitet und am Hof verkauft wird.

Wie wird man eigentlich Bio-Bauer?

Diese Frage ist sehr schnell beantwortet. Wenn man die EU-Bio-Verordnung einhält. Diese wird einmal jährlich von einer Bio-Kontrollstelle überprüft. Dann darf man seine Produkte mit dem EU-Bio-Logo kennzeichnen.

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Das EU-Bio-Logo.

Darüber hinaus gibt es Bio-Verbände wie BIO AUSTRIA oder Demeter, bei denen man freiwillig Mitglied sein kann. Zwei Drittel aller österreichischen Bio-Betriebe (und auch wir) sind bei BIO AUSTRIA und halten sich freiwillig an strengere Richtlinien als in der europaweiten Verordnung. Und nicht nur das: damit sind die Lebensmittel bio und aus Österreich. Wären wir bei der Regionalität angekommen. Die kommt in Zeiten der Globalisierung ja immer mehr in Mode. Und das ist gut so. Warum? Weil es wichtig ist, trotz einer globalisierten Welt die eigene Region zu stärken. Kurze Transportwege und Arbeitsplatzsicherung heißen nur zwei der vielen Vorteile.

„Regional ist das neue Bio“ heißt es da immer wieder. Klingt so, als wie wenn man sich zwischen Bio aus aller Welt und den Produkten aus der Region entscheiden muss. Regional ist gut, hat aber einen Haken. Es gibt keine genaue Definition dafür. Für die einen ist es Österreich, für die anderen die eigene Kleinregion und für manche der Umkreis von 30 km. Problematisch wird es nämlich dann, wenn die Produktion zwar in der Region stattfindet, die Futter- und Verarbeitungsmittel aber von ganz wo anders herkommen. Entscheidend ist, den Blick auf das Ganze zu richten. „Wir schauen aufs Ganze“ ist der Slogan von BIO AUSTRIA. Da liegt man sicher richtig. Bio und regional zugleich.

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„Wir schauen aufs Ganze“ ist der Slogan von BIO AUSTRIA.

Der Höllpaulihof

Jetzt haben wir schon einige Hofgeschichten über unseren Hof geschrieben. Ihr habt dabei einiges über unseren Hof erfahren und kennengelernt. Aber wer ist dieser Höllpaulihof eigentlich? Begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise.

Der Biohof Kappel vulgo Höllpauli liegt im südlichsten Teil von Graz Umgebung, in der Gemeinde Dobl-Zwaring. Steiermark, Österreich- für die MitleserInnen aus aller Welt. Unsere Grundgrenze trennt nicht nur den Grund unseres Nachbarn mit unserem, sondern auch die Gemeinde Preding von Dobl-Zwaring und sogar die Bezirke Graz Umgebung und Deutschlandsberg. Wir sind sozusagen wahrliche Grenzgänger.

Vulgoname

Was hat es mit dem Höllpauli auf sich?

Vulgonamen haben im bäuerlichen Bereich eine lange Tradition und werden auch heute noch gerne verwendet. Während sich der Familienname ändern kann, bleibt der Vulgoname am Hof bestehen. Der erste Teil „Höll“ kommt vom Höllberg, wo unser Hof liegt. Neben uns gibt es noch drei weitere Bauern am Höllberg, bei denen der Vulgoname mit „Höll“ beginnt. Der zweite Teil kommt tatsächlich von einem Paul, der im 17. Jahrhundert Besitzer des Höllpaulihofs war.

In dieser Zeit (ca. ab 1660) beginnen auch die durchgängigen Besitzaufzeichnungen auf unserem Hof. Seit dem Jahr 1887 ist der Bauernhof im Eigentum der Familie Kappel – damals waren das die Ururgroßeltern von Martin – Franz und Anna Kappel. Heute bewirtschaften Monika und Andreas Kappel den Hof in vierter Kappel-Generation. Mit ihren drei Kindern Martin, Magdalena und Florian. Die Familie komplett macht Opa Josef mit seinen 91 Jahren.

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Die Milch der Kühe ist ein Produkt, das am Hof verkauft wird

Was zeichnet den Höllpaulihof aus?

Da gibt es mehrere Dinge. Es ist seine besondere Lage. Im Kessel des Höllbergs gelegen, mit der vielfältigen Hofstruktur und den Feldern rundherum. Es sind die Produkte wie Brot, Gebäck und Milch, die den Hof auszeichnen. Es ist die Pionierrolle im Bio-Landbau, die bereits bis ins Jahr 1969 zurückgeht. Und es sind natürlich die Menschen, die hier arbeiten. Ja, wer sind die eigentlich?

Monika ist die Chefin in der Backstube und im Hofladen, Andreas hat das Sagen im Stall und am Feld. Zusammen managen sie den Höllpaulihof. Die Kinder helfen oft mit, sofern es die Ausbildung, der Job und die Freizeitaktivitäten erlauben. Es sind nämlich viele helfende Hände nötig, um die vielen Arbeiten am Bauernhof zu erledigen. Und natürlich auch die  Flächen zu bewirtschaften. Das sind viele Wiesen für die Kühe, einige Äcker für den Getreideanbau und Wald für das Brennholz am Hof. Kreislaufwirtschaft könnte man das nennen. Die Kühe, der Dünger für die Felder und Wiesen, das Futter für die Kühe und das Getreide für das Brot. Ein Kreislauf – jahrein und jahraus. Und doch immer wieder verschieden.

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Moritz, unser Esel

Und was ist mit den Tieren?

Neben den Menschen machen Tiere einen Bauernhof lebendig. Bei uns sind das 15 Milchkühe, ca. ebenso viele Kälber und Kalbinnen, ein Esel, 12 Hühner und einige Katzen. Bei denen weiß man nie ganz genau, wieviele es sind. Einige sind nämlich zutraulich, andere lassen sich nur manchmal blicken.

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Die Katzen genießen das Leben am Bauernhof

Eines haben alle Tiere gemeinsam – sie halten uns auf Trab. Sie wollen nämlich täglich betreut werden. Ob es Sonntag ist oder nach einer langen Silvesternacht, das ist den Tieren egal. Trotz der vielen Arbeiten geben sie aber natürlich auch Vieles zurück. Gute Produkte, aber auch viele schöne Momente. Tiere gehören auf einem Bauernhof fast dazu. Auf unserem auf jeden Fall!

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Hühner gehören auf einem Bauernhof einfach dazu

Futter für die Tiere

Wer ein Haustier zuhause hat, weiß wie hungrig Hund und Katze oder Ähnliches sein können. Wer schon mal einem Huhn beim Fressen zugeschaut hat, weiß, dass da auch einiges weitergeht. Wenn es jedoch in die Sphäre der Kuh geht, nimmt der Futterbedarf neue Dimensionen an.

15 bis 20 Kilogramm frisst so eine Kuh nämlich pro Tag. Trockenmasse. Das mitaufgenommene Wasser ist dabei schon abgezogen. Und das ist doch ordentlich viel. In einem Kilo Grassilage sind beispielsweise ca. 65 % Wasser enthalten, in Heu ca. noch 12 % und frisches Gras enthält rund 80 % Wasser. Da kommt an einem ganzen Tag schon ordentlich was zusammen – 60 bis 80 kg aufgenommenes Futter können das pro Kuh schon werden.

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Das Gute an der Kuh ist, dass sie das frisst, was der Mensch nicht verdauen kann. Nämlich Gras. Ganz nebenbei hält sie die Wiesen damit von Bäumen und Sträuchern frei, die sonst sehr bald verwalden würden. Das eigene Auge und der Tourismus freuen sich.

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Als Wiederkäuer ist die Kuh mit vier Mägen ausgestattet. Drei mehr als der Mensch, um die schwer verdauliche Zellulose in körpereigene Nährstoffe umwandeln zu können. Wie die Kuh das macht, ist eine Reise wert. Kommst du mit?

Wir beginnen beim Fressen. Mit der Zunge wird das Futter von der Wiese abgerissen oder vom Futtertrog aufgenommen. Wer glaubt, da gelingt das Aussortieren nicht, sollte mal einen fast ausgefressenen Futtertrog betrachten. Ein Feinspitz, so eine Kuh. Danach schlingt sie das Futter fast ungekaut herunter. Hauptsache eine große Menge geht hinein. Mit möglichst gutem Geschmack.

Warum macht die Kuh das? Weil sie weiß, dass in den nächsten Stunden noch genug Zeit zum Wiederkauen bleibt. Weiter geht die Reise. Und führt in den ersten und größten Magen, den Pansen. 150 bis 180 Liter haben dort Platz. Im Pansen sammelt sich das gesamte Futter und wird durchgeknetet. Was zu grob ist, wird in kleine Portionen sortiert und der Kuh in der Ruhephase wieder in das Maul geschickt. Und schon geht das Kauen los. 50-60 Mal im Normalfall, bis der Knäuel wieder runtergeschluckt wird. Und die nächste Portion kommt. Ein Tipp: beim nächsten Mal unbedingt im Kuhstall beobachten!

Ist das Futter klein genug, geht es über den Netzmagen und den Blättermagen in den Labmagen. Letzterer funktioniert ähnlich wie der Magen beim Mensch. Dünndarm, Dickdarm und so weiter. Alles bekannt. Die Reise endet am hinteren Ende der Kuh. Und beginnt wieder beim Wachsen vom Gras.

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Einblick in die Grassilage

Unsere Kühe bekommen Heu, Silage und Gras zu fressen. Davon ganz schön viel. Und in kleinen Mengen Gerste und Mais. Im März, sobald die Gräser zu sprießen beginnen, kommen die Kühe bereits auf die Weide. Nach dem Melken in der Früh sieht man ihnen die Freude richtig an, wenn sie auf die Weide gehen. Ob sie am Abend zum Melken von selbst kommen oder man sie holen muss, hängt vom Wetter und vom Gras auf der Weide ab. Das geht bis in den Herbst so. Bis das Graswachstum nachlässt und das Wetter nicht mehr mitspielt. Dann freuen sich die Kühe im Laufstall (und auch Moritz, der Esel) auf das gute Heu und das durch Milchsäuregärung haltbar gemachte Gras (Grassilage).

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Heu darf max. 14 % Wasser enthalten, um lagerfähig zu sein.

Ein wichtige Aufgabe am Bauernhof ist, das ganze Jahr über genug Futter für die Tiere bereitzuhalten. Vor allem für den Winter muss bereits in den Sommermonaten genug Futter eingelagert werden. Wäre doch blöd, wenn auf einmal mitten im Winter das Futter ausgeht. Schließlich brauchen Kühe Tag für Tag ganz schön viel Futter. Oder wie war das nochmal?

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Wenn die Henne brütet…

Seit April gibt es wieder Hühner auf unserem Hof. Jetzt werdet ihr euch wahrscheinlich fragen, wie das wohl davor war – ein Bauernhof ohne Hühner? Das haben wir uns auch gedacht. Und nach einigen hühnerlosen Jahren wieder Hühner auf den Bauernhof gebracht. Drei an der Zahl waren es zuerst: eine Sussex-Henne, eine Schokolegerin und eine Grünlegerin. Schließlich soll es doch eine Vielfalt sein – bei den Hühnern wie bei den Eiern.

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Nach der Renovierung unseres alten Hühnerstalls und der Einstallung der ersten  Hennen konnten wir uns bald an unseren ersten eigenen Eiern erfreuen. Schon immer wieder ein Wunder der Natur, so ein Ei. Und die Henne sowieso. Die Frage, wer zuerst da war, stellt sich da erst gar nicht.

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Wenn wir schon beim Wunder sind, erzähl ich euch noch eine Geschichte.

Eines Tages im September verließ die grau-gesprenkelte Sussex-Henne ihr Nest nicht mehr. Was das wohl bedeutet? Das fragten wir uns zunächst auch. Nach einigen Tagen war klar – sie brütet auf ihren Eiern. Schnell die alten Erinnerungen und neuen Bücher hervorholen und schauen, was jetzt zu machen ist. Schaffen es die kleinen Küken dann überhaupt über den Winter? Können jetzt überhaupt schon Küken aus den Eiern werden? Oder ist die Henne einfach ihrem natürlichen Instinkt gefolgt?

So einfach ist das mit dem „AusdemEiwirddasKüken“ ja auch wieder nicht. Was bei uns noch fehlt, ist ein geschlechtsreifer Hahn. Wenn ein solcher dabei ist, wären die Eier befruchtet und es könnten sich Küken daraus entwickeln. Da wir unsere Hühnerpopulation gerne aufstocken würden und der Henne ihre Freude auch lassen möchten, haben wir uns für die Lösung dieses Problems etwas einfallen lassen. Von unseren Verwandten haben wir drei befruchtete Sulmtaler-Eier bekommen, und diese dann der Bruthenne untergelegt. Was ihren höchst motivierten Brütunternehmungen keinen Abbruch gab. 21 Tage dauert dieses Spektakel, bis die Bemühungen der Henne einen Erfolg finden und zu neuem Leben führen. Dazwischen verlässt sie höchstens zum Fressen und Trinken ihr Nest, um dann so schnell wie möglich weiterzumachen. Die Eier könnten ja abkühlen, und das wäre fatal!

21 Tage sind dann für den neugierigen Menschen doch eine recht lange Zeit. Da gibt es aber glücklicherweise eine Abhilfe. Mit einer Taschenlampe kann man das Ei ganz nahe anleuchten und man sieht, ob sich darin etwas entwickelt. Aber ACHTUNG! Die Bruthenne passt sehr genau auf ihre Eier auf und kann Eierdiebe mit Fingerpicken bestrafen. Umso schöner ist es dann, das Wieder-hineinlegen des Eies zu beobachten. Die brütende Henne schiebt das entnommene Ei mit ihrem Kopf gezielt unter ihren Körpern zu den anderen Eiern dazu. Und weiter geht´s mit dem Wärmen!

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Übrigens ist das Brüten an sich schon gar keine Selbstverständlichkeit mehr. Der natürliche Weg lässt – ganz im Sinne der Natur – vor allem noch Hühner alter Rassen Eier legen, um diese dann für die eigene Vermehrung auszubrüten. Modernen (Hybrid)-Rassen wurde inzwischen das Brutverhalten weggezüchtet, um das ganze Jahr Eier für den menschlichen Verzehr zu bekommen. Denn sobald die Henne brütet und ihre Wunschzahl an Eiern unter ihrem Körper hat, legt sie keine Eier mehr, bis die Jungküken wieder aufgezogen und alt genug sind, um sich selbst zu versorgen. Und statt der Naturbrut durch die Henne kann man auch Brutapparate verwenden, die die Wärme der Henne und das Drehen der Eier, sowie die richtige Luftfeuchtigkeit nachahmen. Der Effekt ist der Gleiche – nach 21 Tagen sollen die Küken langsam ihre Schale aufbrechen und diese verlassen.

Ein neues Lebewesen ist geboren.

P.S. Wie es in der Natur manchmal so ist, sind die Brutbemühungen der Henne diesmal leider nicht von Erfolg gekrönt geworden. Nach dem Ablauf der 21 Tage hat die Henne die Eier selbst aussortiert. Nächstes Mal wird’s dann bestimmt was – wir freuen uns jedenfalls schon wieder drauf, wenn eine Henne zu brüten beginnt!

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