Eine Anleitung zur Hobbyhühnerhaltung

Bist du auch schon HHH? Noch nicht? Dann wird´s aber Zeit. Für die eigene Hobby-Hühner-Haltung. Gehörten früher Hühner auf Bauernhöfen und Gärten wie selbstverständlich dazu, sind sie heute seltener geworden. In letzter Zeit hat sich dieser Trend jedoch umgekehrt. Und das hat mehrere Gründe. Einen kleinen Teil der Lebensmittelerzeugung mit den eigenen Eiern selbst in der Hand zu haben, die effiziente Verwertung des Bio-Mülls oder Hühner als Einstieg in die Nutztierhaltung sind nur einige der Gründe. Wir haben vor einigen Jahren selbst wieder Hühner auf unseren Hof gebracht. Und uns damit auch das Know-how der Hühnerhaltung wieder angeeignet. Dieses möchten wir euch jetzt weitergeben. Quasi als Anleitung zur Hobbyhühnerhaltung.

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Unsere Hennen im frischen Auslauf.

„Das Henne-Ei-Problem“ – vom Brüten bis zur Rassenwahl

Am Anfang steht die Henne. Oder doch das Ei? Beides ist möglich. Entweder man kauft sich die ersten Hühner. Oder man brütet sich die befruchteten Eier aus. Wer sich für die Hühner entscheidet, kauft sich welche bei einem Kleinviehmarkt oder kennt jemanden, wo man welche beziehen kann. Eine gute Möglichkeit sind auch ausgemusterte Legehennen, denen man das Leben bei noch ansprechender Legeleistung verlängern kann. Wer sich der Herausforderung des Ausbrütens hingeben möchte, kann dies durch die Naturbrut oder die Kunstbrut mit einem Brutautomaten machen. Bei der Naturbrut lebt eine Henne ihren Bruttrieb aus, der nach den 21 Bruttagen in bestem Fall zu kleinen Küken führt. Der Vorteil dabei ist, dass die Henne danach fürsorglich ihre Küken aufzieht. Unsere Erfahrungen mit der Naturbrut könnt ihr hier nachlesen. Die Grundlage für einen Bruterfolg ist die Befruchtung der Eier, die nur durch den Hahn in der Hühnerschar gewährleistet wird. Ein Hahn hat aber noch weitere Aufgaben bei einer Hühnerschar. Er bewacht diese vor Feinden und sorgt so für die nötige Ruhe bei den Hennen. Zu empfehlen ist aber nur ein einzelner Hahn, da sich zwei oder mehrere erwachsene Hähne sehr  brutal bekämpfen können.

Eine Frage, die bald nach der Idee auftritt, ist die Rassenwahl. Während bei größeren Hühnerhaltern meist Hybridrassen dominieren, werden in der Hobbyhaltung oft traditionelle Rassen bevorzugt. Diese können zum Beispiel Sulmtaler, Marans, Grünleger, Seidenhühner, Sussex, Sperber oder Perlhuhn heißen. Ein toller Nebeneffekt bei verschiedenen Rassen sind die bunten Eier.

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Der Auslauf ist sehr wichtig für die Hühner. Vom gepflegten Rasen muss man sich darin aber rasch verabschieden.

„Sehr genügsam, aber doch einiges zu beachten“ – die Haltung und Fütterung

Eine der ersten Überlegungen betrifft natürlich den Stall. Müssen Hühner doch in der Nacht vor Mardern und Füchsen beschützt werden. Wer keinen bestehenden Stall zuhause hat, kann sich im Internet bei zahlreichen Anbietern umschauen. Wichtig im Stall sind die erhöhten Sitzstangen (auf denen die Hühner schlafen), die Legenester (mit einer weichen Einlage wie Heu oder Dinkelspelzen) und ein Futter- und Wasserbehälter. Ein Huhn verbraucht ca. 250 ml Wasser und ca. 120 g Futter pro Tag. Womit wir beim Futter wären. Hühner sind die perfekten Verwerter für den eigenen Biomüll. Upcycling in Perfektion sozusagen. Gemüsereste, getrocknete Eierschalen oder Getreidereste – die Hühner haben eine Freude damit und verwandeln diese auch noch zu Eiern. Für eine gute Legeleistung müssen die Hühner das Eiweiß der Eier aber auch aufnehmen. Zu empfehlen ist also eine Grundfütterung mit Getreide kombiniert mit einem Eiweißfutter. Der Biomüll ist dann quasi das Dessert.

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Ein Wasser- und Futterbehälter gehört zur Grundausstattung.

Sehr wichtig für Hühner ist, dass sie ihren natürlichen Trieb mit Scharren und Picken ausleben können. Sie sind den ganzen Tag unterwegs und suchen Würmer und alles, was ihnen sonst noch schmeckt. Entsprechend wichtig ist der Auslauf. Entweder am ganzen Hof, im Garten oder innerhalb eines Zauns neben dem Stall. Je nachdem können die Hühner so auch einen beträchtlichen Teil der Tagesration an Futter selbst finden.

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Das Scharren und Picken gehört zu den Grundbedürfnissen der Hühner.

Sehr praktisch ist eine automatische Hühnerklappe, damit man nicht jeden Tag in der Früh und am Abend die Auslaufklappe bei den Hühnern betätigen muss. Vor allem am Abend ist die Gefahr durch Marder und Fuchs sehr groß, wenn man mal die Zeit übersieht. Ebenfalls Probleme bei den Hühnern können Milben und Ratten machen. Um Milben vorzubeugen, empfiehlt sich eine regelmäßige Reinigung des Stalls. Die Ratten können lästig werden, wenn der Stall nicht ganz dicht ist und die Ratten beim Futter mit naschen.

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Die automatische Hühnerklappe funktioniert dank der Solarzelle autark.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Folgend stellen wir noch einige Fragen, die man vor dem Beginnen mit der Hühnerhaltung bedenken sollte.

  • Was sagen die Nachbarn zu Hühnern oder dem Krähen eines Hahnes?
  • Habe ich überhaupt Platz und Zeit für die Hühner?
  • Woher beziehe ich das Futter?
  • Habe ich genug Abnehmer für die Eier? (bei einigen Hühnern kann das schnell den Eigenbedarf übersteigen)
  • Möchte ich nur die Eier oder auch das Fleisch der Hühner essen? Bei Zweiterem gilt es sich Gedanken über die Schlachtung zu machen.

Jetzt habt ihr einiges zur Hobby-Hühner-Haltung erfahren. Ihr seid auf den Geschmack gekommen? Das freut uns. Erkundigt euch aber auf jeden Fall noch weiter. Mit einem Buch oder einem Hühnerhalter in eurer Nähe. Vieles lernt man dann aber auch erst live. Wenn die auftretenden Probleme gelöst werden wollen. Oder nennen wir es Herausforderungen. Weil es ja Spaß macht. Das könnt ihr dann als Hobby-Hühner-Halter sicher bestätigen. Spätestens, wenn die ersten Eier gelegt sind.

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Unsere eigenen bunten Eier.

Die Besonderheiten unserer Kühe

Unsere Kühe haben alle einen Namen. Das lässt sich in der Größenstruktur der österreichischen Landwirtschaft machen. Schließlich hat jede Kuh ihren eigenen Charakter. Und ihr eigenes Aussehen. Jetzt denkt ihr euch vielleicht: „Wie kann man all die Kühe auseinanderkennen? Sehen doch alle gleich aus.“ Keine Sorge, in einer Schafherde geht es uns gleich. Aber mit den Kühen haben wir täglich zu tun. Und dann erkennt man die Unterschiede. Die es bei den Kühen wie beim Menschen gibt. Manche sind größer, manche kleiner. Andere sind gutmütig oder launisch. Welche Unterschiede es noch gibt und was jede Einzelne unserer 15 Milchkühe auszeichnet, beschreiben wir euch jetzt.

Rebe, Raste, Rolle
Von links nach rechts: Rebe, Raste und Rolle.

Rebe – die Spezielle.

Rebe ist unsere drittälteste Kuh und hat einige Besonderheiten zu bieten. Ihre Milch hat über all die Jahre hinweg mit 5,16 % den höchsten Fettgehalt (andere Kühe haben im Schnitt 4,3 %). Zudem gibt sie nur an drei von vier Vierteln des Euters Milch. Man sagt dazu, ein Viertel ist „blind“. Das kommt daher, dass bei ihr als Kalbin eine Kollegin trinken wollte, worauf sich eine Euterentzündung entwickelte und die Milchproduktion auf diesem Viertel eingestellt wurde.

Raste – die Aufstrebende.

Bei der Raste fällt sofort das viele Weiß im Fell auf. Sie ist eine ausgeglichene und robuste Kuh. Das können wir bereits sagen, obwohl sie erst in der dritten Laktation (so nennt man die Zeit des Milchgebens zwischen zwei Kälbern) ist. Wir trauen ihr daher eine große Karriere als Milchkuh auf unserem Betrieb zu.

Rolle – die Älteste.

Rolle ist derzeit unsere älteste Kuh – und das mit stolzen 14 Jahren. Das ist insofern bemerkenswert, weil das durchschnittliche Alter unserer 15 Milchkühe bei 6,7 Jahren liegt. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum das nicht höher liegt. Das hat einen einfachen Grund. Bei den 15 Kühen gibt es im Schnitt 7-8 weibliche Kälber pro Jahr, die für die Nachzucht infrage kommen. Da wir unseren Bestand nicht vergrößern wollen, müssen wir jedes Mal die Entscheidung treffen, eine junge oder eine ältere Kuh zu verkaufen. Aber jetzt weiter zur Rolle. In den 14 Jahren hat sie bereits 12 Kälber geboren und über 84.000 Liter Milch gegeben. Das erfordert viel Energie von ihrer Seite und eine gute Betreuung von unserer Seite.

Ricarda, Rosianna, Roswitha
Ricarda, Rosianna und Roswitha.

Ricarda – die Unauffällige.

Unsere Kuh Ricarda fällt durch ihre Problemlosigkeit auf. Oder eigentlich fällt sie gar nicht auf. Sie gliedert sich ruhig und unauffällig in die Herde ein. Dennoch auffallend sind ihre kleinen Hornauswüchse und die langen Zitzen am Euter.

Rosianna – die Saubere.

Rosianna ist eine vorbildliche Kuh. Vor allem, wenn es um die  Sauberkeit des Körpers geht. Warum das eine Rolle spielt? Dazu muss man wissen, dass es bei uns im Stall eine Tretmistliegefläche gibt. Die Kühe können sich darauf frei bewegen und hinlegen. Der Nachteil dabei ist, dass sich eine Kuh auch in den Kot der anderen Kuh legen kann. Und manche haben dazu eben ein größeres Talent als sie.

Roswitha – die Große.

Roswitha zählt zu den größten Kühen in unserer Herde. Sie fällt in mehreren Bereichen positiv auf. Unter anderem, weil sie immer von selbst in den Melkstand kommt und gutmütig ist.

Renate, Riedi, Rispe
Renate, Riedi und Rispe.

Renate – die Auffallende.

Unsere Kuh Renate fällt auf. Das liegt an mehreren Dingen. Erstens, weil sie das größte Euter hat, das beim Gehen fast am Boden streift. Zweitens, weil sie eine äußerst schlechte Angewohnheit hat. Sie schafft es nämlich, dass sie ihre zwei vorderen Zitzen im Liegen austrinkt. Und drittens, weil sie ganz schön energisch sein und die anderen Kühe von ihrem Platz verdrängen kann.

Riedi – die Dominante.

Riedi können wir mehrere Eigenschaften zuschreiben. Einerseits vom Aussehen: ihr Körper ist ganz braun und das braune Fell erstreckt sich bis zu den Augen. Andererseits vom Verhalten: sie ist nämlich eine ranghohe und sehr dominante Kuh. Das merkt man beim Melken, wenn sie vor dem Eingang zum Melkstand steht, selbst nicht hineingeht, aber auch die anderen nicht hineingehen lässt. Das kann für den Melker dann ziemlich ärgerlich sein.

Rispe – die Modellkuh.

Rispe ist unsere jüngste Kuh und hat erst vor zwei Wochen ihr erstes Kalb bekommen. Sie ist ein richtiges Modell einer Milchkuh. Lange Beine, ein langer Körper und ein hochgezogenes Euter. Kein Wunder auch, ist sie doch die Tochter von Rolle. Der Apfel fällt also nicht weit vom Stamm.

Roberta, Reinhildis
Roberta und Reinhildis.

Roberta – die Hinterlistige.

Roberta ist eine sehr spezielle Kuh, bei der ich mit der Geschichte als Kalb beginne. Damals wurde sie von Sophie sehr viel gestreichelt. Und das merkt man heute noch. Sie ist sehr zutraulich und lässt sich gerne streicheln. Was man von den meisten anderen Kühen nicht sagen kann. Dennoch hat Roberta auch eine schelmisch-hinterlistige Art. Im einen Moment liebevoll, im anderen Moment unberechenbar und dominant. Das zeigt sie auch beim Ausgang vom Melkstand, wo sie gerne wartet und ihre Kolleginnen am Hinausgehen hindert. Auffallend sind bei Roberta die braunen Augenringe.

Reinhildis – die Ängstliche.

Unsere Reinhildis ist eine große Kuh, die meist vorsichtig und ängstlich agiert. Das merkt man vor allem beim Gang auf eine neue Weide. In den letzten Jahren hat sie sich dennoch zu einer guten Milchkuh entwickelt.

Edith, Ella
Edith und Ella.

Edith – die Erfahrene.

Edith ist derzeit eine von zwei Kühen, die mit E beginnen. Sie gehört schon zu den erfahreneren Kühen bei uns. Dementsprechend nimmt sie auch eine höhere Stellung in der Rangordnung ein. Wenn es um ihren Platz darin geht, kann sie sehr dominant sein.

Ella – die Kleinste.

Unsere Ella ist die kleinste Kuh in unserer Herde. Das ist an sich nichts Schlechtes. Es hat sogar Vorteile auf der Weide, weil sie durch das geringere Gewicht die Grasnarbe nicht so stark beansprucht. Eine Herausforderung ist es teilweise für sie selbst, wenn sie sich gegen größere Kühe behaupten muss.

Rose, Rabina
Rose und Rabina.

Rose – die Freiheitsliebende.

Rose zeichnet sich durch einen eher kleineren Körperbau und ein fast ganz braunes Fell aus. Der Kopf ist, wie bei der Rasse Fleckvieh typisch, ganz weiß. Ansonsten ist sie sehr freiheitsliebend. Das merkt man daran, dass sie immer ein bisschen auf der Flucht ist, was beim Betreten des Stalls auffällt.

Rabina – die Zurückgezogene.

Rabina ist mit 11 Jahren unsere zweitälteste Kuh. Ihr Alter merkt man ihr an, da sie schon etwas behäbig wirkt. Das liegt aber auch an ihrer zurückgezogenen Art. Von der Sauberkeit her ist sie das Gegenstück zu Rosianna, da sie am liebsten im größten Dreck liegt.

So, das waren jetzt alle!

Ist euch aufgefallen, dass bei uns alle Kuhnamen mit E und R beginnen? Das hat damit zu tun, dass diese zur gleichen Linie gehören. Dementsprechend bekommt ein Kalb einen Namen mit dem Anfangsbuchstaben der Mutter. Das macht die Auswahl manchmal schwer. Und lässt kreative Namen entstehen. Die unterschiedlich sind wie die einzelnen Kühe. Aber das wisst ihr jetzt ja bereits.

Das Grünland

Es gibt viele unterschiedliche Formen, wie man Land nutzen kann. Wald, Acker, Grünland. Aber auch Haus, Industriehalle oder Autobahn. Dieses Thema braucht einen breiten Blick. Eines haben jedoch alle Landnutzungen gemeinsam. Der Boden ist die Grundlage. Er lässt Pflanzen wachsen, die uns als Nahrung zur Verfügung stehen und bildet das Fundament für Gebäude und Infrastruktur. Heute widmen wir uns dem Grünland. Warum erklären wir euch gleich.

Unterschiedliche Landnutzungen
Ein Blick über unsere Flächen zeigt unterschiedliche Formen, wie der Boden am Bauernhof genutzt werden kann.

Das Grünland als spezielle Form der Landnutzung.

Als Bauer und Bäuerin hat man einen ganz besonderen Bezug zu den eigenen Flächen. Schließlich sind sie doch die Grundlage für die Erzeugung der Lebensmittel und die Basis für das eigene Einkommen. Es ist also eine Ehre und Verantwortung zugleich, die eigenen Flächen zu bewirtschaften. So wie es auch schon viele Generationen vor uns gemacht haben.

Ein Blick über Österreich verrät, dass von der land- und forstwirtschaftlich genutzten Fläche rund 50 % mit Wald bedeckt sind, 28 % mit Grünland, 21 % mit Ackerland und 1 % mit Garten-, Obst- und Weinbaukulturen. Auf unserem Bauernhof bewirtschaften wir 5 Hektar Acker, 13 Hektar Wald und 18 Hektar Grünland. Eine Hofgeschichte haben wir bereits dem Wald gewidmet (Die Waldarbeit). Heute ist das Grünland an der Reihe. Nicht nur, weil es den Großteil unserer Fläche ausmacht und Lieferant des Futters für unsere Tiere ist (siehe Futter für die Tiere), sondern weil es uns einfach fasziniert. Das Grünland ist nämlich ein Multitalent. Futterproduzent, Nährstoff-, Wasser- und Kohlenstoffspeicher, Artenvielfalterhalter und Landschaftsschönheit sind nur einige Worte, die man dem Grünland geben könnte.

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Wiesen mit Bäumen und Sträuchern sorgen für ein schönes Landschaftsbild.

Was ist überhaupt Grünland?

Viele würden wahrscheinlich eher das Wort „Wiese“ statt dem Begriff des Grünlands, der in landwirtschaftlichen Fachkreisen verbreitet ist, verwenden. Tatsächlich ist Grünland die landwirtschaftlich genutzte Fläche, auf der Gräser, Leguminosen und Kräuter als Dauerkultur (zumindest 5 Jahre) wachsen. Im Gegensatz zum Acker wird das Grünland also nicht umgepflügt. Es gibt aber auch eine Zwischenform: nämlich die Wechselwiese (oder Feldfutter), wo der Grasbestand in eine Fruchtfolge eingegliedert ist und extra angesät wird. Die Kriterien für einen Acker sind also die Fruchtfolge und der Umbruch des Bodens. Während die Entwicklung vom Grünland zum Acker also einen menschlichen Eingriff benötigt, ist es von Grünland zu Wald genau umgekehrt. Wenn die Wiese nicht mehr gemäht wird, beginnen Bäume und Sträucher zu wachsen und die Wiese verwaldet. Neben der Mähwiese sind die Weide und die Alm Nutzungsformen des Grünlands.

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Mit Ende März kommen die Kühe auf die Weide. Und genießen bis November das schmackhafte Gras.

Gras ist nicht gleich Gras.

Wenn ihr an die eigene Gartenwiese denkt, fallen euch sicher die schönen Blumen, der Klee und das Gras ein. Habt ihr schon mal daran gedacht, dass es auch beim Gras unterschiedliche Arten gibt? „Gras ist Gras“ höre ich da immer wieder. Ich denke, diese Meinung ist deshalb verbreitet, da Gräser nicht so schön verschiedenfarbig blühen wie Blumen zum Beispiel. Tatsächlich gibt es viele unterschiedliche Gräserarten, die je nach Standort in unterschiedlicher Zusammensetzung vorkommen. Immer kombiniert mit Leguminosen, Kräutern und Blumen. Leguminose ist der Fachausdruck für die Hülsenfrüchte und umfasst im Grünland zum Großteil die Kleearten. Diese haben die tolle Fähigkeit, den Luftstickstoff über die Knöllchenbakterien (die an den Wurzeln anheften) in den Boden zu binden und der Pflanze als Dünger zur Verfügung zu stehen. Sehr häufig vorkommende Gräser sind das Knaulgras, das Wiesenrispengras, der Wiesenschwingel und das Englische Raygras. Letzteres ist der Hauptbestandteil von den „englischen Rasen“ in Gärten und auf Fußball- und Golfplätzen.

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Eine vielfältige Wiese besteht aus Blumen, Gräsern, Klee und Kräutern.

Umfassende Ökosystemleistungen.

Das Grünland hat in den letzten Jahren in der öffentlichen Bedeutung an Wert gewonnen. Grund dafür sind die umfassenden Leistungen für Natur und Gesellschaft. Da wäre einerseits die Funktion als Kohlenstoffspeicher. Grünland enthält im Schnitt 10 % Humus (so nennt man die belebte oberste Bodenschicht). Wenn man weiß, dass Humus zu mehr als der Hälfte aus Kohlenstoff besteht und Ackerland im Schnitt 3 % Humus hat, kann man sich denken, dass das Grünland in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Rolle spielt. Diese wichtige Rolle nimmt es auch bei der Wasserspeicherung ein. Durch den dichten Bewuchs und die gute Durchwurzelung kann es sehr gut Regenwasser aufnehmen und Überschwemmungen vorbeugen. Ein weiteres Ziel der Grünlandbewirtschaftung ist der Erhalt der Artenvielfalt. „Abgestufter Wiesenbau“ lautet das Konzept dafür, das wir auch auf unserem Bauernhof anwenden. Das bedeutet, dass Flächen am Betrieb zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemäht werden und unterschiedlich intensiv bewirtschaftet werden. Bei uns werden die Wiesen ein bis vier Mal gemäht und angepasst gedüngt. Der abgestufte Wiesenbau soll Wiesen mit einer vielfältigen Fauna und Flora gewährleisten. Diese würde auch vielen Gärten gut tun. Ist die Artenvielfalt schließlich kein Einzelthema der Landwirtschaft. Und der berühmte „englische Rasen“ der Alptraum für alle Bienen. Womit wir schon wieder bei einem anderen Thema wären.

Abgestufter Wiesenbau
Intensiver genutzte Wiesen sorgen für eine gute Futtermenge und -qualität, extensive Wiesen gewährleisten die Artenvielfalt.

Ihr seht schon, in der Landwirtschaft und der Natur hängt alles mit allem zusammen. Das seht ihr auch bei unseren Hofgeschichten. Wenn ein Thema beendet ist, warten schon einige Weitere, über die es viel zu erzählen gibt. Seid ihr auch schon gespannt, welches Thema als Nächstes kommt?

Die Waldarbeit

In den letzten Wochen haben wir viel im Wald gearbeitet. Bäume gefällt, durchforstet, zusammengeräumt. Wie die Landwirtschaft ist auch die Forstwirtschaft eine eigene Wissenschaft. Im wahrsten Sinne des Wortes nämlich. Uns liegt beides am Herzen. Das mit der Landwirtschaft wisst ihr. Das andere wollen wir euch jetzt zeigen.

Der Bauer als Forstwirt

Unser Bauernhof ist ein typischer gemischter Betrieb. Von allem ein bisschen was. Da gehört auch der Wald dazu. 13 Hektar sind es bei uns. Das reicht für die Wärmeversorgung mit unserer Hackschnitzelheizung. Und immer wieder etwas zum Verkaufen. Dennoch ist es nur ein Bereich von Vielen. Die Arbeit in der Landwirtschaft macht den größten Teil des Arbeitsjahres aus. So wie das bei den meisten landwirtschaftlichen Betrieben der Fall ist. Der Wald ist eher die Nebensache. Und dennoch wird er für einige Wochen im Jahr zur Hauptsache. Und der Landwirt zum Forstwirt.

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Unsere nachhaltige und erneuerbare Wärmequelle aus dem eigenen Wald.

Der Ursprung der Nachhaltigkeit

„Der Wald ist die Sparkasse des Bauern.“ Ein Satz, den man früher oft hörte. Und tatsächlich, der Wald wurde lange als Reserve gesehen, die bei großen Investitionen oder Bauten zur Verfügung stand. Heute ist das anders. Es geht vielmehr um eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes. Mit verschiedenen, standortangepassten Arten und einer sorgsamen Entnahme, um die Funktionen des Waldes zu erhalten. Überhaupt hat der Begriff der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft eine ganz besondere Bedeutung. Er kommt nämlich von ihr. Johann Carl von Carlowitz beschrieb 1713 erstmals, dass im Wald nur so viel entnommen werden dürfe, wie in der gleichen Zeit wieder nachwächst. Heute wurde der Begriff auf beinahe alle Bereiche umgelegt.

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Unterschiedliche Altersstufen und verschiedene Baumarten zeichnen einen nachhaltig bewirtschafteten Wald aus.

Eine Einführung in die Waldwirtschaft

Früher wie heute gleich ist das Generationendenken. Es ist der Grundpfeiler, auf dem der Wald aufbaut. Und damit lässt sich  die Waldwirtschaft auch gut erklären. Das versuche ich jetzt. Stellt euch den Wald als Familie vor. Es gibt die Eltern, die auf ihre kleinen Kinder aufpassen. Die Kinder wachsen langsam heran und kämpfen um Aufmerksamkeit. Die ist bei den Bäumen das Licht. Manchen gelingt das besser, anderen weniger. Irgendwann kommt die Phase, wo die Eltern schwächer werden. Dann ist die Zeit für die Kinder gekommen, um Verantwortung zu übernehmen und die Lücken zu füllen. Und dann beginnt die Geschichte wieder von vorne. Eine Geschichte, die sich mit den Generationen beim Menschen vergleichen lässt. Benötigt ein Baum nämlich ca. 80 Jahre, bis er die Erntereife erreicht hat. Oder anders ausgedrückt. Ein gepflanzter Baum wird erst von der übernächsten Generation geerntet. Das nennt man dann Generationendenken.

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Die Generationenübergabe im Wald: Ein großer Baum ist gefällt, der Nächste wartet bereits.

Von Festmetern, Modeholzarten und der Wertholzversteigerung

Wie in allen Bereichen gibt es auch in der Forstwirtschaft eine eigene Fachsprache. Beispielsweise wären da die Festmeter. So nennt man das Raummaß, mit dem Holz gemessen wird. Ein Festmeter entspricht einem Kubikmeter. Diesen erreicht man zum Beispiel mit einem Bloch (österreichischer Begriff für die Stammstücke der gefällten Bäume) mit 56 cm Durchmesser und vier Metern Länge. Wir haben heuer vor allem Fichte und Eiche gefällt. Die Fichte wird auch als „Brotbaum“ bezeichnet, weil sie die wirtschaftlich wichtigste Baumart ist. Und Eiche, weil diese gerade modern ist. Ob Böden oder Möbel, um die Eiche kommt man derzeit einfach nicht herum. Und das schlägt sich auch im Holzpreis nieder. Dieser hängt neben den Trends natürlich auch von der Qualität des Stamms ab. Geradheit, wenige Äste, keine Krankheiten und Beschädigungen – das sind nur einige Merkmale, nach denen das Holz bewertet wird. Drei besonders schöne Stämme haben wir heuer sogar zur Wertholzversteigerung gebracht, wo der Stamm an den Höchstbieter verkauft wird. Schöne Stämme sind das Eine, aber neben dem Stammholz fällt viel weiteres Holz an. Dieses wird zu Hackschnitzeln weiterverarbeitet.

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Diese schönen Stämme wurden bei der Wertholzversteigerung verkauft.

Vom Aufziehen bis zur Ernte

Jetzt haben wir viel über die Holzernte gesprochen. Bis es soweit ist, bedarf es jedoch viel Arbeit. Vom Wachstumsstart des kleinen Baumes als Naturverjüngung (so wird ein selbst aufgegangener Baum bezeichnet) oder als Setzling bis zum Durchforsten (dem Ausdünnen des Waldbestands) bedarf es einiger Schritte, bis man einen Baum ernten kann. Dann kann man sich freuen. Und denkt dankbar an die Großeltern, die diesem Baum das Wachstum ermöglicht haben.

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Martin bei der Waldarbeit: eine entsprechende Schutzausrüstung gehört dazu.

 

Der Bauernhof als Fitnesscenter

Ich mache gerne Sport. So wie viele andere auch. Ich war aber nie bei einem Sportverein dabei. Das Mithelfen zuhause am Hof und die Zeit im Internat haben sich damit nicht gut vereinbaren lassen. Dafür habe ich viele andere Gelegenheiten zum Sporteln genutzt. Fußball habe ich in der Schule, mit der Landjugend oder mit den Nachbarkindern gespielt. Laufen und Radfahren gehe ich alleine oder ich rede mich mit jemandem zusammen. Und ich mache Kraft- und Ausdauerübungen. Aber nicht im Fitnesscenter, sondern bei uns am Hof. Einige davon möchte ich euch zeigen. Aber zuerst…

Warum eigentlich?

Klar, im Fitnesscenter hat man alle Geräte auf einem Platz und teilweise auch noch Betreuung dazu. Das hat Vorteile. Aber man muss extra wohin fahren (sofern man es nicht zuhause hat) und dafür bezahlen. Am Hof geht es manchmal über den Tag verteilt mit der Arbeit mit. Da ein paar Klimmzüge, dort ein paar Ausfallschritte. Die Pausen dazwischen ergeben sich von selbst. Teilweise mache ich es auch als geblocktes Programm. Mit ein bisschen Kreativität kommt man da auf immer neue Übungen – Platz und Material sind ja vorhanden. Jetzt aber wirklich zu den Übungen.

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Liegestütze mit der Gartenbank

Die selbstgemachten Holzbänke im Garten werden gerne von unseren Kunden zum Sitzen genutzt. Gut verwendbar sind sie aber auch für Liegestütze. Mit erhöhten Beinen, das steigert die Schwierigkeit. Das höchste Level ist dann erreicht, wenn die Bänke nach einem Regen nass sind und die Beine das Hin- und Herrutschen ausgleichen müssen.

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Übungen am Querbalken

Der Querbalken im Vorraum  des Melkstands und der Milchkammer erfüllt während den Melkzeiten gute Dienste. Damit sind nämlich einige Übungen möglich. Er kann zum Beispiel zum Aushängen für die Körperstreckung oder als Bauchmuskeltraining durch Anziehen der Beine verwendet werden. Gerne mache ich damit auch Klimmzüge.

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Kniebeugen mit dem Rechen

Kniebeugen sind eine beliebte Trainingsübung, weil sie sehr effektiv sind. Empfohlen werden ein schulterbreiter Stand und leicht angezogene Zehenspitzen. Vor einigen Jahren habe ich mal Crossfit probiert – da wurde die Schwierigkeit der Kniebeugen (auf Englisch „squats“) mit einer Stange erhöht. Bauernhofgerecht wird diese Übung mit einem Rechen. Möglichst gerade und mit gestreckten Armen halten und los geht´s.

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Bauchmuskeltraining mit dem Hoftrac

Der Hoftrac ist am Bauernhof ein Universalgerät für vielfältige Arbeiten – die Schaufel, die Zange und die Gabel sorgen dafür. Und er eignet sich auch hervorragend als Trainingsgerät. Die Zange, sonst zum Ballenführen verwendet, kann sehr gut für das Bauchmuskeltraining durch das Anheben der Beine verwendet werden.  Die Höhe ist flexibel einstellbar und die unruhigen Zangenhälften sorgen für eine effektive Trainingsdurchführung.

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Übungen mit der Ackerschiene

Habt ihr schon mal von einer Ackerschiene gehört? Wahrscheinlich eher nicht. Das ist eine Verbindungsschiene der Unterlenker beim Traktor. Sie ist aus Eisen (dementsprechend schwer) und mit regelmäßigen Löchern versehen. Ich nehme sie gerne für Kraftübungen. Beispielsweise zum Anheben aus den nach unten gestreckten Armen zur Brust oder zum Anheben in die nach oben ausgestreckten Arme.

Möglich sind damit auch Ausfallschritte mit höherem Gewicht. Meist sind jedoch auch Ausfallschritte, die für eine Stärkung der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur sorgen, mit dem eigenen Körpergewicht schwierig genug. Ein Tipp von mir: wenn man sich dabei nach vorne auf einer gewissen Distanz und nicht am Stand bewegt, steigert das die Motivation.

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Wenn die Arbeit auch Sport ist

Das war jetzt eine Übersicht über einige Übungen, die ich am Hof gerne mache. Meistens ist aber auch der Arbeitsalltag anstrengend genug. Wenn ich zum Beispiel an das Mähen mit dem Motormäher am Steilhang denke. Oder es passieren unvorhergesehene Dinge – zum Beispiel dass unsere Kühe aus dem Zaun ausbrechen. Da ist dann eine gute Kondition gefragt.

Ihr seht schon, die körperliche Fitness kommt am Bauernhof nicht zu kurz. Mit und ohne Trainingsübungen.

Die Getreideernte

Es ist mitunter die wichtigste Zeit im Jahr. Nach der Saat des Getreides im Oktober steht im Juli bis August die Getreideernte an. Dazwischen liegen 9-10 Monate, in denen das Korn zu einer großen, stabilen Pflanze mit einem Fruchtstand (meist der Ähre) reift. Viel steht während dieser Zeit auf dem Spiel. Auf unserem Hof das Mehl als Grundlage für das Brot das ganze Jahr über.

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Sophie im Dinkelfeld.

Das Getreide

Wäre euch schon mal in den Sinn gekommen, dass das Gras in eurem Garten zur gleichen Pflanzenfamilie wie das Getreide im Acker gehört? Das mag anfangs komisch klingen, ist aber tatsächlich so. Beides gehört zur Familie der Süßgräser. Etwas leichter zu verstehen ist das, wenn man auf eine Wiese blickt, die erst im Juli gemäht wird. Die Gräser haben bereits ihren Fruchtstand ausgebildet und haben ihre Farbe von grün auf braun bis gelb gewechselt. Nichts anderes passiert beim Getreide, das im Jugendstadium wie eine grüne Wiese aussieht. Natürlich haben die heutigen Sorten durch Züchtung mehr und größere Körner im Vergleich zu früher und ihren Verwandten, den Wiesengräsern.

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Der Roggen im Dezember.

Wenn das Getreide reif wird…

Der Zeitpunkt der Getreideernte ist ein Antasten an den optimalen Zeitpunkt anhand mehrerer Parameter. Zuerst wäre da einmal die Farbe. Braun bis goldgelb muss es sein. Die gesamte Energie des Chlorophylls, das der Pflanze die grüne Farbe verleiht, wird während der Reife in die Körner gesteckt. Dann die Körner, die sich von der Milchreife (sehr weich) über die Teigreife bis zur Vollreife (bissfest) entwickeln. Damit hängt auch der Wassergehalt der Körner zusammen. Maximal 14 % Wasser darf das Korn in sich haben, um lagerfähig zu sein. Kommt euch das bekannt vor? Richtig. In der Hofgeschichte über das Futter für die Tiere habt ihr vom Heu gelesen, bei dem das gleich ist. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass das Getreide mit mehr Feuchtigkeit gedroschen wird. Dann schafft eine Trocknungsanlage Abhilfe, bei der das gleichmäßig aufgeschüttete Getreide von unten mit warmer Luft durchströmt wird und so fertig trocknet.

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Der Mähdrescher bei der Arbeit.

Und jetzt ist der Mähdrescher dran

Solange das Getreide am Feld steht, kann immer etwas passieren. Hagel, Sturmregen und Dürre können zu Ertragsverlusten bis zu Totalausfällen führen. Umso schöner ist es, wenn der Zeitpunkt der Ernte und damit auch der Mähdrescher kommt. Scheinbar mit Leichtigkeit schneidet er die Getreidehalme ab und trennt die Körner vom Stroh. Dieses fällt hinten heraus und dient als Einstreu für Tiere oder bleibt als Dünger am Feld. Ein besonders schönes Gefühl ist, wenn die Körner am Anhänger und unter Dach sind. Die Ernte ist dann buchstäblich im Trockenen.

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Goldgelb, so soll das Stroh sein.

…und dann?

Wir haben heuer Dinkel und Roggen angebaut. Beide Getreidearten eignen sich hervorragend zum Brot backen. Der Roggen, eine sehr widerstandsfähige Sorte, wird nach dem Dreschen gereinigt. Dabei werden unerwünschte Körner (vor allem Unkräuter) aussortiert. Nach dem Reinigen folgt die Abfüllung in Säcken, die dann kühl und dunkel gelagert werden. Beim Dinkel ist die Geschichte komplizierter. Nach dem Dreschen sieht man vom Korn erstmal noch nichts. Dieses ist versteckt unter Spelzen, die die Körner schützen. Mithilfe einer Entspelzungsanlage wird die Ummantelung des Korns entfernt.

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Der Dinkel vor dem Entspelzen.

Die Spelzen sind aber kein Abfallprodukt, sondern können als Einstreu in Hühnernester oder als Kissenfüllung verwendet werden. Danach folgt das gleiche Prozedere wie beim Roggen. Und am Ende geht es allen Körnern gleich: entweder landen sie im Brot oder werden im Herbst zu einer neuen Getreidepflanze.

 

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Blick von der Kuhweide auf zwei gedroschene Getreideäcker.

Vom Kühe melken und Melken mit Martin

Es ist 5 Uhr früh. Der Wecker klingelt. Ein kurzer Gedanke. Kann ich weiterschlafen? Selbstständig bin ich ja, aber die Kühe warten trotzdem. Also raus aus dem Bett und rein in den Stall. Im Winter, wenn alles finster ist, fällt das schwerer, im Sommer geht das leichter. Licht aufdrehen, Radio einschalten und ein lautes „Guten Morgen, Muhlis“. Ganz begeistert sind auch die Kühe nicht. Ob sie schlafen, ist schwer zu sagen, nachdem sie ihre Augen beim Schlafen nicht immer schließen. Sagen wir, sie ruhen. Und wiederkauen ihr Futter, das in Paketen aus dem Pansen kommt. Einige stehen gleich motiviert auf und gehen in den Melkstand. Je nach Rangfolge und Rhythmus. Drei Kühe brauchen wir pro Melkvorgang. Dann wieder drei und wieder drei, bis alle gemolken sind. Maximal 15 Kühe haben wir. Die anderen können bis dahin noch liegen bleiben. Aber dran kommt Jede. In der Früh wie am Abend. Tagein, tagaus. Auch am Sonntag und nach Silvester (wenn es besonders schwer fällt).

Entspannte Katze beim Melken
Die Katzen fühlen sich während dem Melken besonders wohl!

Warum werden Kühe überhaupt gemolken?

In der Mutterkuhhaltung ist die Milch ausschließlich für die Kälber, die sie selbst von ihren Müttern trinken. In der Milchviehhaltung muss die Milch gemolken werden, um dem Menschen zur Verfügung zu stehen. Das erste Mal gibt eine Kuh nach der Geburt des ersten Kalbs Milch. Danach gibt die Kuh eine Saison lang (Laktation genannt) Milch, bevor sie eine ca. zweimonatige Ruhezeit bekommt. Dieses sogenannte „Trockenstellen“ gibt der Kuh die Möglichkeit, sich gut auf das nächste Abkalben vorzubereiten. Im Schnitt dauert eine Laktation 305 Tage.

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Unser Melkstand.

Das Melken

Unsere Kühe werden in einem Fischgrätenmelkstand mit drei Plätzen gemolken. Den Namen hat dieser Melkstand von seiner Form, die Fischgräten ähnlich sind. Die Kühe sind dabei schräg angeordnet. Für den Melker bietet der Melkstand den Vorteil, sich in aufrechtem Stand zur Kuh dazustellen zu können. Wenn drei Kühe im Melkstand sind, werden von jeder der vier Zitzen einige Milliliter vorgemolken, um die Milch zu überprüfen. Zuerst befindet sich die Milch im oberen Teil des Euters. Durch das Vormelken und die vertraute Atmosphäre im Melkstand rinnt die Milch in den unteren Teil des Euters und kann gemolken werden. Vor dem Anstecken der vier Melkzeuge wird das Euter noch sauber gereinigt und dann kann es losgehen. Dann braucht es ca. 10 Minuten, bis die ca. 10-15 Liter gemolken sind. Danach ist die Vorfreude auf das frische Futter am Fressplatz groß und die Kühe machen Platz für die nächsten drei Kolleginnen. Der Weg der Milch führt dann über die Rohrleitung in den Milchtank und wird dort von den ca. 37°C im Euter auf 4,5°C heruntergekühlt. Alle zwei Tage kommt der Milchwagen und holt die Milch ab. Oder die Rohmilch wird frisch am Hof verkauft oder zu Topfen und Joghurt verarbeitet.

Kühe beim Fressen
Nach dem Melken freuen sich die Kühe auf das frische Futter.

Melken mit Martin

Früher hatten die meisten Familien am Land einen kleinen Bauernhof. Und die meisten zumindest eine oder mehrere Kühe. Und damit konnten auch viele melken. Heute ist das anders. Es gibt nur mehr wenige Milchviehbetriebe und damit sind auch die Melkerfahrungen weniger geworden. Dabei haben Viele den Wunsch, einmal eine Kuh zu melken und bei der Stallarbeit dabei zu sein.

Du auch? Wir geben dir die Möglichkeit dazu!

Begleite Martin bei der täglichen Stallarbeit und melke deine erste eigene Kuhmilch.

Alle Info dazu findest du hier!

Nachbarkinder
Von klein bis groß waren Viele bereits beim Melken dabei.