Warum wir tierische Lebensmittel erzeugen und essen.

Diesmal widmen wir uns einem spannenden Thema unserer Zeit. Es geht um die Frage, warum wir am Hof tierische Lebensmittel erzeugen und sie auch selbst essen. Eine Frage, die seit einigen Jahren Veganer und Fleischtiger entzweit, wie kaum ein anderes Thema. Und doch braucht es unserer Meinung nach einen anderen Blick darauf. Wie dieser aus unserer Sicht aussieht, wollen wir euch jetzt zeigen.

Tierische Lebensmittel sind wertvoll. Von der Nährstoffzusammensetzung her und aus ethischer Sicht. Da sind wir uns einig, oder? Schließlich lebt dafür ein Nutztier und stellt uns seine Leistungen zur Verfügung. Milchprodukte, Eier, Fleisch. Ein Überblick an tierischen Lebensmitteln, die heute weltweit in mehr oder weniger großer Dimension vom Menschen gegessen werden. Beim Fleisch muss ein Nutztier sogar geschlachtet werden, was das Wertvolle unterstreicht.

Milchflasche
Tierische Produkte werden vor allem wegen der Nährstoffzusammensetzung und dem Geschmack vom Menschen geschätzt.

Wir selbst sind für einen maßvolleren Genuss von tierischen Lebensmitteln, vor allem von Fleisch. Wie passt das zusammen, schließlich erzielen wir einen Teil unseres Einkommens mit der Nutztierhaltung? Ganz einfach: weniger davon konsumieren, aber wenn, dann mit entsprechender Qualität. Und die versuchen wir unseren Kundinnen und Kunden (und uns selbst natürlich auch) bereitzustellen. Womit wir bei der Art der Erzeugung wären.

Vor allem die Kuh wird in der öffentlichen Diskussion immer wieder als Klimakiller dargestellt. Stößt sie doch in der Verdauung das Treibhausgas Methan aus. Dabei vergisst man gern, dass die Kuh (und die anderen Wiederkäuer wie Schaf und Ziege) das Gras, das bei uns wächst, in für den Menschen wertvolle Nahrung umwandeln. Ohne diese Tiere wären für uns die ganzen Wiesen nicht nutzbar (bis auf einige Kräuter) und sie würden auch verwalden. Über Jahrmillionen der Erdgeschichte hat sich diese Symbiose zwischen Grünland und Wiederkäuer erfolgreich entwickelt. Und weil eine Symbiose stets zwei Gewinner hat, gewinnt die Kuh durch die Energie der Gräser und das Grünland durch den Schutz vor Verwaldung, die höhere Bodenfruchtbarkeit durch den Dünger der Tiere und die Speicherung von Kohlenstoff. Was auch den Menschen freut. Zwecks Weltklima und so.

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Das Grünland ist ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. Um es mit dem Wald anschaulich zu vergleichen, muss man den Wiesenaufwachs eines Jahres auf die Wachstumszeit eines Waldes (ca. 60-80 Jahre) hochrechnen.

Jetzt stellen wir mal eine Annahme an: Würden alle Ackerflächen dieser Welt direkt für den Lebensmittelanbau verwendet werden, hätten wir immer noch die Milch und das Fleisch der Wiederkäuer, die für uns das Grünland verwerten. Und das macht weltweit doch rund 70 % der landwirtschaftlichen Fläche aus. Wir überlassen der Kuh sozusagen das, was sie am besten kann – nämlich Gras in Fleisch und Milch zu verwandeln. Der positive Nebeneffekt: Dann ist die Kuh auch kein Klimakiller! Und damit tritt sie auch in keine direkte Nahrungskonkurrenz mit der menschlichen Ernährung. Im Gegensatz zu Huhn und Schwein zum Beispiel. Die aber als Allesfresser andere Vorzüge haben. Und zum Beispiel Getreide wesentlich effizienter verwerten können als die Wiederkäuer.

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„It´s not the cow, it´s the how“. Die Rinder stoßen zwar das Treibhausgas Methan aus – da die Grünlandböden den Kohlenstoff wieder speichern, bleibt das aber im natürlichen Kreislauf.

Jetzt haben wir euch einiges über die Vorzüge der Fütterung der Kuh mit Gras erzählt. Diese Vorzüge versuchen wir bei uns am Hof einzuhalten. Fütterung mit Gras. Und wann immer es möglich ist, auf der Weide. Dazu möglichst wenig Getreide als Kraftfutter. Dieses ist nämlich als direktes Lebensmittel für den Menschen wesentlich effizienter eingesetzt. Leider werden diese Prinzipien vielfach umgedreht. Und die Kuh wird sprichwörtlich „wie ein Schwein“ gefüttert. Mit Getreideanteilen bis zu 50 %. Wodurch leider viele Vorzüge der Wiederkäuer verloren gehen. Und die Tierhaltung in ein schlechtes Licht gerückt wird.

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Unsere neugierigen Kalbinnen, wenn sie fotografiert werden.

Einmal im Jahr vermarkten wir eine Kalbin bei uns ab Hof. Die wächst bei uns, mit Futter von uns, wird im Ort geschlachtet und das Fleisch wird bei uns verkauft. 100 % bio, 100 % regional. Und die Kalbin hatte einen Namen. Für manche mag das paradox klingen. Wir essen und verkaufen Fleisch von unserer Kalbin, die wir beim Namen nennen und die wir gut betreut haben. Das ist unser Zugang.

Zwei Punkte und ein Grundsatz bleiben also über: „Weniger, dafür besser!“ Ein maßvoller Genuss und die Herkunft und Fütterung des Nutztieres sind entscheidend. Wenn wir uns hier wieder für einen maßvolleren Umgang entscheiden, geht es vielen besser. Unseren gesellschaftlichen Grabenkämpfen, den Tieren und der Umwelt.

Die Winterruhe am Hof

Im Winter ist es am Bauernhof ruhiger. Der Boden ist von Schnee bedeckt, gefroren oder es wächst zumindest nichts. Die Arbeit auf den Äckern und Wiesen fällt also weg. Die langen Nächte verkürzen den Arbeitstag und die geringere Sonnenstrahlung sorgt für trübere Tage. Es herrscht also Winterruhe am Bauernhof. Für die Natur und teilweise auch für den Menschen.

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Winterlandschaft bei uns am Hof.

Die Winterarbeit steht an.

Während von März bis Oktober die Futter- und Getreideernte die Arbeitsabläufe bei uns am Hof dominiert, ist das in den Wintermonaten anders. Da verlagert sich die Arbeit eher in den Wald (siehe Die Waldarbeit). Oder in die Werkstatt und Innenräume. Wenn zum Beispiel Reparaturen anstehen. Generell zählt der Winter meist zu den ruhigeren Jahreszeiten am Hof. Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Arbeit in der Backstube beispielsweise kennt keine Jahreszeiten. Dabei ist der Vorteil, dass es im Winter wohlig warm ist. Ganzjährig und somit auch im Winter ist zweimal täglich die Stallarbeit zu erledigen. Diese nimmt im Winter mehr Zeit in Anspruch als in den Sommermonaten. Das hat damit zu tun, dass unsere Rinder von März bis Ende Oktober auf der Weide sind. In dieser Zeit fällt im Stall weniger Mist an und die Tiere fressen einen Teil ihres Tagesbedarfs an Futter direkt auf der Weide. Im Winter muss den Tieren das Futter für den ganzen Tag vorgelegt werden, was bei über 30 Rindern bei uns an verschiedenen Plätzen schon einiges an Zeit benötigt. Und vor allem einiges an Futtermenge (Näheres dazu gibt´s in Futter für die Tiere). Daneben muss im Winter auch der Mist des ganzen Tages aus dem Stall gebracht werden. Konkret sind das bei uns ca. 5 h am Tag, die eine Person für die Stallarbeit benötigt.

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Die Kalbinnen nutzen auch im Winter gerne den Auslauf.

Ruhe in der Natur – oder doch nicht?

Einige Tiere nutzen den Winter für einen ausgiebigen Winterschlaf. Wildtiere zumindest. Bei den Nutztieren merkt man die Winterruhe nicht wirklich. Den Rindern zum Beispiel macht die Kälte an sich nichts aus. Davor gefriert eher das Wasser im Stall ein oder dem Bauer und der Bäuerin wird es kalt. Bei den Hühnern (zumindest in der Hobbyhaltung) merkt man im Winter einen natürlichen Rückgang der Legeleistung. Die Wildtiere, die keinen Winterschlaf machen, müssen sich auch im Winter (oft mühsam) Nahrung beschaffen. Das kann auch zum Ärgernis für den Menschen werden, wenn zum Beispiel Wildschweine die Wiesen aufwühlen.

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Wildschweinschäden bei uns auf der Wiese.
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Die Überbleibsel von einem Specht, der im Apfelbaum nach Nahrung suchte.

Wer die Natur im Winter beobachtet, kann immer wieder so manche Schönheit erkennen. Einerseits von der Landschaft, wenn man an eine verschneite Winterlandschaft denkt. Oder an die schönen Sonnenuntergänge. Andererseits lassen auch die Pflanzen, im Winter vor allem die Bäume, so manche Schönheit erkennen. Da wären zum Beispiel die Mistelzweige, die zwar für den Baum schädlich sind, aber als Dekoration gut verwendbar sind.

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Ein Mistelzweig.

Alles in allem hat der Winter viele Vorteile. Kalte Temperaturen im Winter sorgen im nächsten Sommer für einen geringeren Schädlingsdruck. Oder das Wintergetreide, das die kalten Temperaturen für das Weiterwachsen im Frühjahr dringend benötigt. Und zu guter Letzt kann auch der Mensch profitieren, der im Winter ein wenig zur Ruhe kommen und neue Energie tanken kann.

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Ein schöner Sonnenuntergang im Winter.

Eine Anleitung zur Hobbyhühnerhaltung

Bist du auch schon HHH? Noch nicht? Dann wird´s aber Zeit. Für die eigene Hobby-Hühner-Haltung. Gehörten früher Hühner auf Bauernhöfen und Gärten wie selbstverständlich dazu, sind sie heute seltener geworden. In letzter Zeit hat sich dieser Trend jedoch umgekehrt. Und das hat mehrere Gründe. Einen kleinen Teil der Lebensmittelerzeugung mit den eigenen Eiern selbst in der Hand zu haben, die effiziente Verwertung des Bio-Mülls oder Hühner als Einstieg in die Nutztierhaltung sind nur einige der Gründe. Wir haben vor einigen Jahren selbst wieder Hühner auf unseren Hof gebracht. Und uns damit auch das Know-how der Hühnerhaltung wieder angeeignet. Dieses möchten wir euch jetzt weitergeben. Quasi als Anleitung zur Hobbyhühnerhaltung.

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Unsere Hennen im frischen Auslauf.

„Das Henne-Ei-Problem“ – vom Brüten bis zur Rassenwahl

Am Anfang steht die Henne. Oder doch das Ei? Beides ist möglich. Entweder man kauft sich die ersten Hühner. Oder man brütet sich die befruchteten Eier aus. Wer sich für die Hühner entscheidet, kauft sich welche bei einem Kleinviehmarkt oder kennt jemanden, wo man welche beziehen kann. Eine gute Möglichkeit sind auch ausgemusterte Legehennen, denen man das Leben bei noch ansprechender Legeleistung verlängern kann. Wer sich der Herausforderung des Ausbrütens hingeben möchte, kann dies durch die Naturbrut oder die Kunstbrut mit einem Brutautomaten machen. Bei der Naturbrut lebt eine Henne ihren Bruttrieb aus, der nach den 21 Bruttagen in bestem Fall zu kleinen Küken führt. Der Vorteil dabei ist, dass die Henne danach fürsorglich ihre Küken aufzieht. Unsere Erfahrungen mit der Naturbrut könnt ihr hier nachlesen. Die Grundlage für einen Bruterfolg ist die Befruchtung der Eier, die nur durch den Hahn in der Hühnerschar gewährleistet wird. Ein Hahn hat aber noch weitere Aufgaben bei einer Hühnerschar. Er bewacht diese vor Feinden und sorgt so für die nötige Ruhe bei den Hennen. Zu empfehlen ist aber nur ein einzelner Hahn, da sich zwei oder mehrere erwachsene Hähne sehr  brutal bekämpfen können.

Eine Frage, die bald nach der Idee auftritt, ist die Rassenwahl. Während bei größeren Hühnerhaltern meist Hybridrassen dominieren, werden in der Hobbyhaltung oft traditionelle Rassen bevorzugt. Diese können zum Beispiel Sulmtaler, Marans, Grünleger, Seidenhühner, Sussex, Sperber oder Perlhuhn heißen. Ein toller Nebeneffekt bei verschiedenen Rassen sind die bunten Eier.

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Der Auslauf ist sehr wichtig für die Hühner. Vom gepflegten Rasen muss man sich darin aber rasch verabschieden.

„Sehr genügsam, aber doch einiges zu beachten“ – die Haltung und Fütterung

Eine der ersten Überlegungen betrifft natürlich den Stall. Müssen Hühner doch in der Nacht vor Mardern und Füchsen beschützt werden. Wer keinen bestehenden Stall zuhause hat, kann sich im Internet bei zahlreichen Anbietern umschauen. Wichtig im Stall sind die erhöhten Sitzstangen (auf denen die Hühner schlafen), die Legenester (mit einer weichen Einlage wie Heu oder Dinkelspelzen) und ein Futter- und Wasserbehälter. Ein Huhn verbraucht ca. 250 ml Wasser und ca. 120 g Futter pro Tag. Womit wir beim Futter wären. Hühner sind die perfekten Verwerter für den eigenen Biomüll. Upcycling in Perfektion sozusagen. Gemüsereste, getrocknete Eierschalen oder Getreidereste – die Hühner haben eine Freude damit und verwandeln diese auch noch zu Eiern. Für eine gute Legeleistung müssen die Hühner das Eiweiß der Eier aber auch aufnehmen. Zu empfehlen ist also eine Grundfütterung mit Getreide kombiniert mit einem Eiweißfutter. Der Biomüll ist dann quasi das Dessert.

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Ein Wasser- und Futterbehälter gehört zur Grundausstattung.

Sehr wichtig für Hühner ist, dass sie ihren natürlichen Trieb mit Scharren und Picken ausleben können. Sie sind den ganzen Tag unterwegs und suchen Würmer und alles, was ihnen sonst noch schmeckt. Entsprechend wichtig ist der Auslauf. Entweder am ganzen Hof, im Garten oder innerhalb eines Zauns neben dem Stall. Je nachdem können die Hühner so auch einen beträchtlichen Teil der Tagesration an Futter selbst finden.

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Das Scharren und Picken gehört zu den Grundbedürfnissen der Hühner.

Sehr praktisch ist eine automatische Hühnerklappe, damit man nicht jeden Tag in der Früh und am Abend die Auslaufklappe bei den Hühnern betätigen muss. Vor allem am Abend ist die Gefahr durch Marder und Fuchs sehr groß, wenn man mal die Zeit übersieht. Ebenfalls Probleme bei den Hühnern können Milben und Ratten machen. Um Milben vorzubeugen, empfiehlt sich eine regelmäßige Reinigung des Stalls. Die Ratten können lästig werden, wenn der Stall nicht ganz dicht ist und die Ratten beim Futter mit naschen.

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Die automatische Hühnerklappe funktioniert dank der Solarzelle autark.

Was gibt es sonst noch zu beachten?

Folgend stellen wir noch einige Fragen, die man vor dem Beginnen mit der Hühnerhaltung bedenken sollte.

  • Was sagen die Nachbarn zu Hühnern oder dem Krähen eines Hahnes?
  • Habe ich überhaupt Platz und Zeit für die Hühner?
  • Woher beziehe ich das Futter?
  • Habe ich genug Abnehmer für die Eier? (bei einigen Hühnern kann das schnell den Eigenbedarf übersteigen)
  • Möchte ich nur die Eier oder auch das Fleisch der Hühner essen? Bei Zweiterem gilt es sich Gedanken über die Schlachtung zu machen.

Jetzt habt ihr einiges zur Hobby-Hühner-Haltung erfahren. Ihr seid auf den Geschmack gekommen? Das freut uns. Erkundigt euch aber auf jeden Fall noch weiter. Mit einem Buch oder einem Hühnerhalter in eurer Nähe. Vieles lernt man dann aber auch erst live. Wenn die auftretenden Probleme gelöst werden wollen. Oder nennen wir es Herausforderungen. Weil es ja Spaß macht. Das könnt ihr dann als Hobby-Hühner-Halter sicher bestätigen. Spätestens, wenn die ersten Eier gelegt sind.

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Unsere eigenen bunten Eier.

50 Jahre Biohof Kappel – eine Zeitreise durch die Geschichte

Es war das Jahr 1969, als der Höllpaulihof auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt wurde. Ein prägendes Jahr für unseren Hof. Merken und voraussehen konnte man das damals noch nicht. Heute wissen wir, dass es eine richtungsweisende Entscheidung war. Eine Entscheidung für die Bio-Landwirtschaft, die heute aktueller denn je ist.

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Die Weidehaltung ist bis heute ein Markenzeichen der biologischen Landwirtschaft.

Wie alles begann.

Es war die Nachkriegszeit, als die Landwirtschaft die Erträge steigerte, um genug Nahrungsmittel für die Bevölkerung herzustellen. Mit besseren Anbaumethoden, besserer Züchtung, aber auch mineralischem Dünger und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Ausgehend von gesundheitsbewussten Personen, vor allem aus der Stadt, begann eine Bewegung Richtung Biolandbau. Franz Kappel (Großonkel von Martin), auf dem Höllpaulihof aufgewachsen, interessierte sich für diese Entwicklungen und probierte die Ideen mit seiner Frau Karoline auf ihrem gemeinsamen Betrieb in St. Marein bei Graz aus. Josef Kappel (Martin´s Opa), der Bruder von Franz, war Bauer am Höllpaulihof, nahm die Ideen von Franz auf und stellte den Hof 1969 gemeinsam mit seiner Frau Christine auf biologische Bewirtschaftung um. Wie kann man sich den Schritt damals vorstellen? Mineralische Düngemittel und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel wurden auch davor nicht verwendet. Es war sozusagen keine Umstellung, sondern eher eine Festsetzung des Startzeitpunkts. Der Instinkt war schon länger da. Ließ doch bereits der Vater von Franz und Josef die Kühe auf die Weide, als die Weidehaltung alles andere als normal war. Die Nachbarn haben damals wenig von der Umstellung mitbekommen, darüber wurde nämlich fast nicht gesprochen. Zu groß war die Angst, als „Spinner“ abgetan zu werden. Erst der Kauf typischer Maschinen wie der Striegel erregten die Aufmerksamkeit der Umgebung.

Dr. Müller besucht die Steiermark
Josef Kappel (ganz links am Bild) und Franz Kappel (ganz rechts am Bild) bei einem Treffen mit Maria und Hans Müller aus der Schweiz.

 

Das Rad beginnt sich zu drehen.

Fachliche Unterstützung erhielten die Pioniere von Maria und Hans Müller aus der Schweiz, die bereits einige Erfahrungen mit dem Biolandbau hatten. Man traf sich mit anderen Interessierten, fuhr in die Schweiz, um sich dort Betriebe anzuschauen und probierte das Gesehene auf dem eigenen Betrieb aus. „Learning by doing“ sozusagen. Und der Erfolg gab ihnen recht. Der Markt für die Bio-Produkte wurde größer. Es kamen neue Betriebe dazu. Der Kreislauf begann sich zu drehen. 1979 wurde der Verband der organisch-biologischen wirtschaftenden Bauern gegründet, heute als BIO AUSTRIA bekannt. Obmann-Stellvertreter war Franz Kappel, dem 1980 auch die Ehre zuteil wurde, erster Bio-Berater in der Landwirtschaftskammer Steiermark zu sein.

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Karoline und Franz Kappel mit Josef Renner, dem Nachfolger von Franz als Bio-Berater in der Landwirtschaftskammer Steiermark, bei unserer Feier.

Die Entwicklung auf unserem Hof.

Das erhöhte Gesundheitsbewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten führte neben dem Beginn der Bio-Landwirtschaft auch zur Wiederentdeckung des Vollkornbrots. Ab 1977 begann Christine Kappel (Martin´s Oma) auf unserem Hof mit dem Brot backen. Zuerst wurde an Martin Auer geliefert, später an einige Bio-Läden in Graz. Damit entwickelten sich die beiden Standbeine Milchviehhaltung und Brot backen auf unserem Betrieb, die es auch heute noch gibt. Mit der Übernahme von Andreas und Monika Kappel im Jahr 1989 wurde die Vermarktung erweitert. Der Hofladen wurde immer stärker forciert und die Produkte wurden nach Preding, Stainz und Graz geliefert. Für die Kühe wurde 1992 ein moderner Milchviehlaufstall mit Melkstand gebaut, so wie es ihn auch heute noch gibt. Als die Vermarktung am Hof immer stärker wurde, eröffnete 2009 der neue vergrößerte Hofladen. Dank unserer treuen Kundinnen und Kunden hat dieser Weg bis heute Bestand!

 

Am 7. September 2019 haben wir 50 Jahre Biolandbau bei uns am Hof gefeiert. Viele treue Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter waren da, um mit uns gemeinsam zu feiern. Auch mit dabei waren Franz (94 Jahre) und Josef (92 Jahre) Kappel. Beiden leben noch und sind ein gutes Beispiel für den Erfolg des Biolandbaus. Dieser hat sich heute natürlich weiterentwickelt. Mittlerweile werden bereits 25 % der österreichischen Fläche von über 24.000 Betrieben biologisch bewirtschaftet. Zweifelsohne ein großer Erfolg. Und die Bio-Geschichte wird weitergehen. In Österreich und auch bei uns am Hof.

P.S. Warum wir eigentlich biologisch wirtschaften und was dahinter steckt, könnt ihr in dieser Hofgeschichte lesen: „Warum Bio?“

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Der Höllpaulihof rund um das Jahr 1955.
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Der Höllpaulihof im Jahr 2019.

Die Heuernte

Der Duft nach frischem Heu, wer kennt ihn nicht? Wer ihn riecht, weiß, dass der Sommer am Land Einzug gehalten hat. So auch bei uns. Die Heuernte nimmt bei uns am Hof einen wichtigen Teil des Sommers ein. Schließlich muss das Winterfutter für die Tiere vorbereitet werden. Die Heuernte läuft immer nach dem gleichen Schema ab und ist doch jedes Mal verschieden. Warum, das erklären wir euch gleich.

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Die fertigen Heuballen warten auf den Heimtransport.

Der Einfluss des Wetters.

Im Beitrag Futter für die Tiere haben wir gezeigt, welches Futter unsere Kühe bekommen. Neben dem Heu ist das auch noch die Grassilage und von Frühjahr bis Herbst das frische Gras auf der Weide. Das Heu ist am Schwierigsten zu gewinnen. Das hat mehrere Gründe. Bei der Weide erfordert es einen Zaun und das Wissen rund um die Weidehaltung. Bei der Grassilage (als in Kunststofffolie verpackte Ballen oder als zugedeckten Fahrsilo zu erkennen) braucht es geeignete Geräte, meist eine hohe Leistung der Erntetechnik und ein bis zwei schöne Tage. Womit wir schon beim Wetter wären. Beim Heu sind es nämlich zumindest drei schöne und heiße Tage ohne Regen. Und solche Zeitfenster sind im Sommer nicht immer leicht zu finden. Das Heu muss nämlich von ca. 80 % Wassergehalt im frischen Gras auf maximal 14 % Wassergehalt heruntergetrocknet werden, damit es haltbar wird. Und das erfordert ein passendes Wetter mit viel Sonne. Und leichtem Wind, wenn man sich etwas wünschen darf. Regen ist für eine gute Qualität fast verboten, da sonst die Nährstoffe ausgeschwemmt werden und das Futter verschmutzt wird.

Die Technik im Wandel.

Die Heubereitung ist eine sehr traditionelle Form der Graskonservierung (vor allem in den Alpen). Ist sie doch bereits mit einfachster Technik schaffbar. Dennoch hat sich die Technik von früher bis heute stark gewandelt. In früheren Zeiten wurde das Gras mit der Sense gemäht, mit der Gabel gewendet und dann auf sogenannten Harpfen, Hieflern oder ähnlichen Holzkonstruktionen getrocknet. Das wird heute nur noch in sehr kleinem Umfang praktiziert. Heute dominiert das Mähen mit Traktor und Mähwerk, das Wenden mit einem Kreiselheuer und das Schwaden mit einem Kreiselschwader. Erst ab hier unterscheidet sich die Technik. Einerseits ist das Einbringen des Heus mit einem Ladewagen möglich, von dem das Heu in das Lager geleert oder mit einem Gebläse dorthin befördert wird. Andererseits hat sich in den letzten Jahren stärker das Pressen zu Ballen durchgesetzt. Dadurch lässt sich das Heu wesentlich leichter transportieren. Aus dem Heulager muss das lose Heu schließlich mit einem Heugreifer oder mit der Hand gebracht werden. Falls das Heu auf der Wiese nicht zu Ende getrocknet wird, gibt es auch Belüftungsanlagen, die das Heu nach der Ernte im Lager fertig trocknen.

Die Vorteile von Heu.

Obwohl die Grassilage leichter zu gewinnen ist, hat Heu nach wie vor seine Bedeutung. Warum ist das so? Einerseits hängt das mit dem Futterwert für die Tiere zusammen. Meist werden die Heuwiesen etwas später gemäht, wodurch das Heu eine gröbere Struktur als die Silage bekommt. Das ist wichtig für den Pansen (den ersten und größten Magen) der Wiederkäuer. Zu wenig Struktur führt zu Durchfall und kann im schlimmsten Fall sogar tödlich enden. Andererseits genießt das Heu einen guten Ruf in der Bevölkerung. Bilder von schönen Heuwiesen kennt schließlich jeder. Diese verstärkt der gute Geruch des Heus. Das gute Image spiegelt sich darin wider, dass die Milch von silofrei-gefütterten Kühen eigens vermarktet wird. Ist die Heumilch schließlich keine Milch, die direkt aus dem Heu gewonnen wird, wie hin und wieder aus Unwissenheit behauptet wird.

Die Tage der Heuernte sind bei uns am Hof immer arbeitsreiche und spannende Tage. Arbeitsreich, weil viele Arbeitsschritte bis zum fertigen Heu nötig sind. Auf den steilen Flächen auch noch händisch, wo dann die gesamte Familie und teilweise auch Nachbarn und Bekannte mithelfen. Spannend sind die Tage der Heuernte, weil es eine Zitterpartie werden kann, ob kein Regen oder Gewitter kommt. Die Wettervorhersage schafft da eine gute Hilfe, aber Sommergewitter sind kleinräumig eben schwierig vorherzusagen. Eines ist aber auch gewiss: das schönste Gefühl ist jenes, wenn das Heu trocken unter dem Dach ist. Dann kann man sich eine wohlverdiente Jause gönnen. Und sich freuen, wenn es zu regnen beginnt.

Umweltfreundlich leben

Eine umweltfreundliche Lebensweise ist uns wichtig. Darum sind wir Bio-Bauern. Und darum machen wir uns in vielen Bereichen Gedanken, wie wir sorgsam mit der Natur und der Umwelt umgehen können. Schließlich wollen wir auch den nächsten Generationen einen lebenswerten Planeten übergeben. Deshalb wollen wir unsere Gedanken auch weitergeben. Das machen wir jetzt in mehreren Teilen. Immer mit dem Versuch, praktische Beispiele zu liefern. Ohne Zeigefinger, aber mit Hausverstand. Wir finden nämlich, dass dieser in vielen Bereichen verloren gegangen ist.

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Für die Erhaltung der Artenvielfalt braucht es vielfältige Landschaftsstrukturen.

Im Garten: vom Einheitsbrei zur Vielfalt.

Der Insektenrückgang und der Verlust der Artenvielfalt sind in aller Munde. Dass das stimmt, fällt schon beim Blick auf die Windschutzscheibe auf. Die ist heute nämlich viel sauberer nach der Autofahrt als vor Jahrzehnten. Das Problem dahinter ist vielschichtig. Intensivierte Landwirtschaft, ausgeräumte und verbaute Landschaften und der Einheitsbrei im Garten tragen Teile dazu bei. Dabei hätte bei Letzterem jeder Einzelne leichten Einfluss. Wenn englische Rasen, die ja mittlerweile als die erstrebenswerte Form im Garten gelten, vielfältigen Wiesen mit Strukturelementen wie Sträuchern und (Obst-)Bäumen weichen, würde sich auch die Tier- und Pflanzenvielfalt schnell erhöhen. Das wäre aber auch das Ende von intensiven Rasendüngern und Bekämpfungsmitteln. Und teilweise auch vom Rasenroboter. Der zwar praktisch ist, aber eine vielfältige Wiese täglich unterbindet. Der Lohn für die Änderung im Garten sind schön blühende Wiesen und ein Paradies für Insekten aller Art. Ein Insektenhotel über den ganzen Garten sozusagen. Das wär doch was, oder?

Beispiele dazu liefern https://www.naturimgarten.at/ und https://www.ordentlich-schlampert.at/.

Libelle
Eine Libelle im Dinkelacker.

Von der Mobilität am Land.

Ohne Auto wird es am Land schwierig. Das sagen wir aus eigener Erfahrung. In der Stadt lässt sich das aufgrund des gut ausgebauten öffentlichen Verkehrs leichter schaffen. Dennoch bräuchte das Auto auch am Land nicht diesen Stellenwert, den es sich über Jahrzehnte erarbeitet hat. Manchmal wirkt es so, dass zu Fuß gehen oder mit dem Rad zu fahren zwar als Freizeitbeschäftigung in Mode ist, für die Alltagsmobilität aber out. Dabei bringt kurze Strecken mit dem Rad oder zu Fuß zurückzulegen Vieles – eine neue Achtsamkeit für die Natur und die Menschen, sportliche Betätigung, geringere Kosten und Umweltvorteile sowieso. Ich freu mich jedenfalls darauf, wenn wieder mehr Menschen gemeinsam im Auto fahren und die Straße nicht mehr nur der Platz der Autos ist. Und das verlängerte Wochenende nicht mehr zwingend für den Fernurlaub, sondern für das Erkunden der eigenen Heimat genutzt wird.

Stromproduktion fürs Handy
Diese kleine tragbare Solarzelle verwendet Martin gerne zum Aufladen des Handy´s.  Der Kampf gegen die Klimakrise beginnt schließlich mit jedem kleinen Schritt!

Mit den kleinen Dingen fängt es an.

„Was kann ich schon gegen die Klimakrise und für die Umwelt tun?“ Ein Satz, den man immer wieder hört. Dabei kann jeder etwas bewirken und mit kleinen Schritten beginnen. Ein paar Beispiele von uns selbst.

  1. Leitungswasser statt abgefülltes Wasser. Wir sind gesegnet mit ausgezeichneter Trinkwasserqualität. Im Gegensatz zu anderen Länder können wir leicht auf abgefülltes Wasser verzichten. Nutzen und schätzen wir das doch!
  2. Wiederverwendbare Utensilien statt Einwegprodukte. Die eigene Wasserflasche, die Jausenbox, das Bienenwachstuch, die Stofftasche und Vieles mehr. Alles Dinge, die viel an Einwegmüll vermeiden können.
  3. Das Fairphone als Leuchtturm für nachhaltige Elektronik. In manchen Bereichen braucht es echte Pioniere, die auch schwierige Themen angehen – wir finden, das gehört unterstützt! Dazu passen auch die Themen Kleidung und Schuhe. Weil wir eben nicht langfristig auf Kosten anderer leben können und wollen.
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Martin´s regelmäßige Wegbegleiter.

Wenn das Essen wieder Wert hat.

In den 1950er-Jahren gab ein Haushalt rund die Hälfte seines Einkommens für Lebensmittel aus, heute sind es zwischen 10 und 15 Prozent. Der Wert vom Essen hat sich vom Mittelpunkt des Lebens zu einem Randthema entwickelt. Wichtiger ist anderes geworden: Urlaub, Handy, Auto. Und so weiter. Wohlstand ist gut, aber Geld kann man schließlich nicht essen. Den Wert der Lebensmittel erkennt man heute erst, wenn nicht alles verfügbar ist. Dabei sind die Grundregeln einfach. Biologisch, regional und saisonal lauten die Schlagworte. Bei denen sich auch die Umwelt freut. Und am besten schmecken noch immer Lebensmittel aus der eigenen Produktion. Das können all jene bestätigen, die das Gemüse aus dem eigenen Garten und die Eier der eigenen Hühner genießen. Da trägt man selbst die Verantwortung und weiß, was dahinter steckt.

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Das Gemüse aus dem eigenen Garten.

Einfacher, langsamer, weniger.

Einfacher, langsamer, weniger. Das haben wir irgendwann als Motto für ein umweltgerechtes Leben ausgewählt. Einfacher, weil unser Leben viel zu kompliziert geworden ist. Langsamer, weil alles immer schneller geht und wir uns mehr Zeit wünschen. Und weniger, weil wir gefühlt sowieso von allem zu viel haben. Zugegeben, der Dschungel an Angebot in der heutigen Zeit macht ein nachhaltiges Einkaufen und Leben schwierig. Produkte werden grün gewaschen, quer über den Globus gekarrt und das ganze Jahr verfügbar gemacht. Zwei Grundsätze sind: Das nachhaltigste Produkt ist immer jenes, das gar nicht erst gekauft wird. Und jedes gekaufte Produkt gibt den ProduzentInnen den Auftrag, dieses Produkt wieder herzustellen.

Auch wir tun uns manchmal dabei schwer, nachhaltig richtige Entscheidungen zu treffen. Einen guten Ratgeber haben wir bei „Ein guter Tag hat 100 Punkte“ gefunden. Bei diesem Konzept, das ähnlich wie der ökologische Fußabdruck ist, sind die 100 Punkte das tägliche Budget, das umweltverträglich ist. Mit der Homepage https://www.eingutertag.org/de/ und App kann man die eigenen Punkte berechnen und das gleichnamige Buch gibt Tipps zu einem umweltfreundlichen Leben.

Ein guter Tag hat 100 Punkte (2)
„Ein guter Tag hat 100 Punkte“ spricht jedem Erdbürger 6,8 kg CO2 zu – das wären die 100 Punkte. Derzeit verbraucht eine Person in Österreich im Schnitt 450 Punkte.

Und eines ist uns auch wichtig: Es geht niemals darum, alles richtig machen zu müssen. Davon sind wir auch weit entfernt. Und es geht nicht nur um Verzicht. Eher ein Weniger, dass irgendwann Mehr wird. Ein Mehr an Lebensqualität, wahren Werten und gutem Gewissen.

Wir haben geheiratet. Unser persönliches Green Wedding.

Am 25. Mai war es soweit. Nach unzähligen Stunden der Vorbereitung, Wochen der Planung und vielen, vielen Überlegungen, Telefonaten und E-Mails haben wir geheiratet.

Es war ein wunderschöner Tag, in Worte kaum zu fassen, überfordernd vor lauter Liebe, Lachen, Herzlichkeit unserer Freunde und Familie. Einfach ein perfekter Tag. Ganz ohne Übertreibung.

Weil dieser Tag so schön, und für uns einfach einzigartig war, wollen wir euch auch auf diesem Wege eine kleine Retrospektive ermöglichen. Aber beginnen wir zunächst ganz am Anfang.

 

Die Planung.

Der Heiratsantrag fand im Oktober 2017 statt. Wir haben recht bald entschieden, die Hochzeit erst im Frühjahr 2019 zu feiern. Das war, wie sich recht bald herausgestellt hat, eine sehr gute Entscheidung, da wir so noch ausreichend Planungszeit für unser Fest hatten. Recht bald haben wir bemerkt, dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt, eine Hochzeit zu feiern. Wie sollte aber unsere Feier aussehen? Eine schwierige Frage, schließlich wollten wir doch unsere Persönlichkeiten, unsere Vorlieben, Stärken und Interessen in die Feierlichkeiten einflechten. Gar nicht so leicht.

Nach kurzer Überlegungszeit, waren wir uns bei einigen Eckpunkten aber dennoch gleich einig:

  • Wir wollen kirchlich und standesamtlich heiraten. Standesamtlich im ganz kleinen Rahmen. Kirchlich mit einer großen Anzahl an Freunden und Familie.
  • Unsere Hochzeitstafel soll bei einem Restaurant in unserer Gegend abgehalten werden, bei dem es möglich ist, raus ins Grüne zu gehen, bei dem das Essen und der Wein vorzüglich schmecken und die Lebensmittel möglichst regional, saisonal und biologisch bezogen werden.
  • Wir wünschen uns eine Trachtenhochzeit. (Mit einer Ausnahme: Sophie wollte dennoch ein weißes Kleid tragen) 😊
  • Traditionen und kulturelle Besonderheiten der Südweststeiermark sollen fixer Bestandteil des Hochzeitstages werden.
  • Wir möchten auch bei unserer Hochzeit das Thema „Nachhaltigkeit“ in den Fokus rücken. (Stichwort „Green Wedding“)

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Die Umsetzung als Green Wedding.

Auch wenn so eine Hochzeit wirklich viel Arbeit bedeutet, wollen wir hier gleich einmal eines gesagt haben: Vorfreude ist die schönste Freude. Und so haben wir auch die Vorbereitungen auf unser Fest als Teil der Hochzeit sehr genießen können.

Hochzeitslocation.

Es war gar nicht so leicht, eine Hochzeitslocation zu finden, die unseren Wünschen komplett entsprach. Nach einiger Online-Recherche und zwei Vor-Ort-Besuchen war uns jedoch gleich klar: Unsere Hochzeit soll am Weingut Harkamp stattfinden. Die regionale, saisonale und teilweise biologische Küche auf höchstem Niveau hat uns sehr schnell überzeugt. Außerdem wird der Wein und Sekt biologisch gekeltert. Ein großer Teil der Lebensmittel, die für das Restaurant benötigt werden, kommen von Flamberger Bauern. Also noch „grüner“ geht’s fast nicht mehr.

 

Blumen.

Ein wichtiges Thema, wenn man in Erwägung zieht, dass ein Großteil der Blumen, die man in Österreich kaufen kann, nicht aus Österreich kommen. Ich muss gestehen, dass ich diesbezüglich bei einer kurzen Online-Recherche nicht einmal herausfinden konnte, wie hoch der Selbstversorgungsgrad an Schnittblumen in Österreich ist. Ihr seht also, wie „unbedeutend“ dieses Thema in unserem Alltag noch ist. Solltet ihr im Fachhandel österreichische Blumen erwerben können, so sind diese mit großer Wahrscheinlichkeit in beheizten Glashäusern gewachsen. So oder so haben also die meisten Schnittblumen bei uns einen sehr großen CO2-Rucksack.

In der Steiermark sind wir beim Thema „Schnittblumen“ aber eigentlich ohnehin gesegnet: in der Südoststeiermark ist die erste Bio-Blumen-Bäuerin Österreichs zu Hause: Margrit De Colle von „Vom Hügel“. Selbstverständlich also, dass unsere Hochzeitsblumen von ihr kommen sollten. Natürlich, wild, regional, biologisch, saisonal, wunderschön. Wir hatten unsere perfekten Hochzeitsblumen gefunden.

 

Outfits.

Ökologische Kleidung ist in Österreich im Kommen. Ökologische Hochzeitsoutfits sind leider noch recht schwierig zu finden. Dennoch war uns auch hier das Thema „Nachhaltigkeit“, diesmal eher die soziale Säule, sehr wichtig. Martin hat seine Lederhose bei der Schneiderei Herman in Ptuj und das restliche Outfit bei Trachten Haselnus in Altaussee anfertigen lassen. Sophie wurde bei Elfenkleid fündig, und hat ihr Dirndl für die standesamtliche Trauung ebenfalls in Aussee anfertigen lassen. Alle Outfits wurden somit in Österreich und / oder den Nachbarstaaten gefertigt, und können jeweils auch nach der Hochzeit noch problemlos getragen werden.

 

Dekoration & Papeterie.

Oder auch: „Sophies Mädchentraum“. Als begnadete Basteltante war gleich klar, dass dieser Part der Hochzeit selbst erstellt werden würde. Wir wollten vor allem biologisch abbaubare, bzw. wiederverwendbare Materialien verwenden. Das bedeutete: Papier, Pflanzen, Glas, Stoff, Lebensmittel. Möglichst wenig Plastik. So wurden die Hochzeitseinladungen im Rexglas verschenkt, die essbaren Platzkarten aus Lebkuchen gefertigt, die ausgestanzten Anhänger mit Baumwollschnüren befestigt, Blüten getrocknet und Baumwoll-Wimpelketten genäht.

 

Give-Aways.

Lange, wirklich sehr lange, überlegten wir, welche Geschenke wir als kleines Dankeschön an unsere Gäste übergeben könnten. Die Devise lautete auch hier wieder: möglichst regionale, saisonale und biologische Zutaten zu verwenden. Das Problem war, aus der schier unendlichen Anzahl von Sophies Ideen, die Passendste auszuwählen. Statt Kräutersalz, Tee, Blütensirup, Erdbeermarmelade, Pfirsichchutney, einem Schlüsselanhänger, kandierten Veilchen oder Rosenblütenzucker entschieden wir uns schlussendlich für ein selbstgemachtes Granola. Als Getreidebauern irgendwie auch naheliegend, oder? Die biologischen Zutaten wurden schließlich in feinster Handarbeit zu einem Crunchy-Müsli (Rezept: Eigenkreation!) verarbeitet. Und der Erfolg gibt uns recht: wir haben bereits einige Granola-Bestellungen und werden dieses demnächst vielleicht sogar in unserem Hofladen verkaufen.

 

Fazit.

Wir haben uns bei der Gestaltung unseres Hochzeitsfests wirklich viele Gedanken gemacht. Gedanken zur persönlichen, aber vor allem auch zur nachhaltigen Gestaltung des Tages. Und wir glauben, dass uns das eigentlich auch recht gut gelungen ist, und wir unsere Wünsche, Pläne, Ideen und Vorstellungen gut einbauen konnten. Schlussendlich können wir sagen, dass es gar nicht so schwer ist, ein Green Wedding zu organisieren und auch beim Heiraten auf Nachhaltigkeit zu setzen.

P.S.: Vielen lieben Dank an unsere Familie & Freunde, die mit uns gefeiert haben und den Tag so unvergesslich gemacht haben. Ein ganz großes Dankeschön gilt auch unserer Fotografin Michi Lorber, die den Tag für uns in Bildern festgehalten hat.