Warum wir tierische Lebensmittel erzeugen und essen.

Diesmal widmen wir uns einem spannenden Thema unserer Zeit. Es geht um die Frage, warum wir am Hof tierische Lebensmittel erzeugen und sie auch selbst essen. Eine Frage, die seit einigen Jahren Veganer und Fleischtiger entzweit, wie kaum ein anderes Thema. Und doch braucht es unserer Meinung nach einen anderen Blick darauf. Wie dieser aus unserer Sicht aussieht, wollen wir euch jetzt zeigen.

Tierische Lebensmittel sind wertvoll. Von der Nährstoffzusammensetzung her und aus ethischer Sicht. Da sind wir uns einig, oder? Schließlich lebt dafür ein Nutztier und stellt uns seine Leistungen zur Verfügung. Milchprodukte, Eier, Fleisch. Ein Überblick an tierischen Lebensmitteln, die heute weltweit in mehr oder weniger großer Dimension vom Menschen gegessen werden. Beim Fleisch muss ein Nutztier sogar geschlachtet werden, was das Wertvolle unterstreicht.

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Tierische Produkte werden vor allem wegen der Nährstoffzusammensetzung und dem Geschmack vom Menschen geschätzt.

Wir selbst sind für einen maßvolleren Genuss von tierischen Lebensmitteln, vor allem von Fleisch. Wie passt das zusammen, schließlich erzielen wir einen Teil unseres Einkommens mit der Nutztierhaltung? Ganz einfach: weniger davon konsumieren, aber wenn, dann mit entsprechender Qualität. Und die versuchen wir unseren Kundinnen und Kunden (und uns selbst natürlich auch) bereitzustellen. Womit wir bei der Art der Erzeugung wären.

Vor allem die Kuh wird in der öffentlichen Diskussion immer wieder als Klimakiller dargestellt. Stößt sie doch in der Verdauung das Treibhausgas Methan aus. Dabei vergisst man gern, dass die Kuh (und die anderen Wiederkäuer wie Schaf und Ziege) das Gras, das bei uns wächst, in für den Menschen wertvolle Nahrung umwandeln. Ohne diese Tiere wären für uns die ganzen Wiesen nicht nutzbar (bis auf einige Kräuter) und sie würden auch verwalden. Über Jahrmillionen der Erdgeschichte hat sich diese Symbiose zwischen Grünland und Wiederkäuer erfolgreich entwickelt. Und weil eine Symbiose stets zwei Gewinner hat, gewinnt die Kuh durch die Energie der Gräser und das Grünland durch den Schutz vor Verwaldung, die höhere Bodenfruchtbarkeit durch den Dünger der Tiere und die Speicherung von Kohlenstoff. Was auch den Menschen freut. Zwecks Weltklima und so.

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Das Grünland ist ein wichtiger Kohlenstoffspeicher. Um es mit dem Wald anschaulich zu vergleichen, muss man den Wiesenaufwachs eines Jahres auf die Wachstumszeit eines Waldes (ca. 60-80 Jahre) hochrechnen.

Jetzt stellen wir mal eine Annahme an: Würden alle Ackerflächen dieser Welt direkt für den Lebensmittelanbau verwendet werden, hätten wir immer noch die Milch und das Fleisch der Wiederkäuer, die für uns das Grünland verwerten. Und das macht weltweit doch rund 70 % der landwirtschaftlichen Fläche aus. Wir überlassen der Kuh sozusagen das, was sie am besten kann – nämlich Gras in Fleisch und Milch zu verwandeln. Der positive Nebeneffekt: Dann ist die Kuh auch kein Klimakiller! Und damit tritt sie auch in keine direkte Nahrungskonkurrenz mit der menschlichen Ernährung. Im Gegensatz zu Huhn und Schwein zum Beispiel. Die aber als Allesfresser andere Vorzüge haben. Und zum Beispiel Getreide wesentlich effizienter verwerten können als die Wiederkäuer.

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„It´s not the cow, it´s the how“. Die Rinder stoßen zwar das Treibhausgas Methan aus – da die Grünlandböden den Kohlenstoff wieder speichern, bleibt das aber im natürlichen Kreislauf.

Jetzt haben wir euch einiges über die Vorzüge der Fütterung der Kuh mit Gras erzählt. Diese Vorzüge versuchen wir bei uns am Hof einzuhalten. Fütterung mit Gras. Und wann immer es möglich ist, auf der Weide. Dazu möglichst wenig Getreide als Kraftfutter. Dieses ist nämlich als direktes Lebensmittel für den Menschen wesentlich effizienter eingesetzt. Leider werden diese Prinzipien vielfach umgedreht. Und die Kuh wird sprichwörtlich „wie ein Schwein“ gefüttert. Mit Getreideanteilen bis zu 50 %. Wodurch leider viele Vorzüge der Wiederkäuer verloren gehen. Und die Tierhaltung in ein schlechtes Licht gerückt wird.

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Unsere neugierigen Kalbinnen, wenn sie fotografiert werden.

Einmal im Jahr schlachten wir eine Kalbin von uns. Die wächst bei uns, mit Futter von uns und wird im Ort geschlachtet. 100 % bio, 100 % regional. Und die Kalbin hatte einen Namen. Für manche mag das paradox klingen. Wir essen Fleisch von unserer Kalbin, die wir beim Namen nennen und die wir gut betreut haben. Das ist unser Zugang.

Zwei Punkte und ein Grundsatz bleiben also über: „Weniger, dafür besser!“ Ein maßvoller Genuss und die Herkunft und Fütterung des Nutztieres sind entscheidend. Wenn wir uns hier wieder für einen maßvolleren Umgang entscheiden, geht es vielen besser. Unseren gesellschaftlichen Grabenkämpfen, den Tieren und der Umwelt.

Das Grünland

Es gibt viele unterschiedliche Formen, wie man Land nutzen kann. Wald, Acker, Grünland. Aber auch Haus, Industriehalle oder Autobahn. Dieses Thema braucht einen breiten Blick. Eines haben jedoch alle Landnutzungen gemeinsam. Der Boden ist die Grundlage. Er lässt Pflanzen wachsen, die uns als Nahrung zur Verfügung stehen und bildet das Fundament für Gebäude und Infrastruktur. Heute widmen wir uns dem Grünland. Warum erklären wir euch gleich.

Unterschiedliche Landnutzungen
Ein Blick über unsere Flächen zeigt unterschiedliche Formen, wie der Boden am Bauernhof genutzt werden kann.

Das Grünland als spezielle Form der Landnutzung.

Als Bauer und Bäuerin hat man einen ganz besonderen Bezug zu den eigenen Flächen. Schließlich sind sie doch die Grundlage für die Erzeugung der Lebensmittel und die Basis für das eigene Einkommen. Es ist also eine Ehre und Verantwortung zugleich, die eigenen Flächen zu bewirtschaften. So wie es auch schon viele Generationen vor uns gemacht haben.

Ein Blick über Österreich verrät, dass von der land- und forstwirtschaftlich genutzten Fläche rund 50 % mit Wald bedeckt sind, 28 % mit Grünland, 21 % mit Ackerland und 1 % mit Garten-, Obst- und Weinbaukulturen. Auf unserem Bauernhof bewirtschaften wir 5 Hektar Acker, 13 Hektar Wald und 18 Hektar Grünland. Eine Hofgeschichte haben wir bereits dem Wald gewidmet (Die Waldarbeit). Heute ist das Grünland an der Reihe. Nicht nur, weil es den Großteil unserer Fläche ausmacht und Lieferant des Futters für unsere Tiere ist (siehe Futter für die Tiere), sondern weil es uns einfach fasziniert. Das Grünland ist nämlich ein Multitalent. Futterproduzent, Nährstoff-, Wasser- und Kohlenstoffspeicher, Artenvielfalterhalter und Landschaftsschönheit sind nur einige Worte, die man dem Grünland geben könnte.

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Wiesen mit Bäumen und Sträuchern sorgen für ein schönes Landschaftsbild.

Was ist überhaupt Grünland?

Viele würden wahrscheinlich eher das Wort „Wiese“ statt dem Begriff des Grünlands, der in landwirtschaftlichen Fachkreisen verbreitet ist, verwenden. Tatsächlich ist Grünland die landwirtschaftlich genutzte Fläche, auf der Gräser, Leguminosen und Kräuter als Dauerkultur (zumindest 5 Jahre) wachsen. Im Gegensatz zum Acker wird das Grünland also nicht umgepflügt. Es gibt aber auch eine Zwischenform: nämlich die Wechselwiese (oder Feldfutter), wo der Grasbestand in eine Fruchtfolge eingegliedert ist und extra angesät wird. Die Kriterien für einen Acker sind also die Fruchtfolge und der Umbruch des Bodens. Während die Entwicklung vom Grünland zum Acker also einen menschlichen Eingriff benötigt, ist es von Grünland zu Wald genau umgekehrt. Wenn die Wiese nicht mehr gemäht wird, beginnen Bäume und Sträucher zu wachsen und die Wiese verwaldet. Neben der Mähwiese sind die Weide und die Alm Nutzungsformen des Grünlands.

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Mit Ende März kommen die Kühe auf die Weide. Und genießen bis November das schmackhafte Gras.

Gras ist nicht gleich Gras.

Wenn ihr an die eigene Gartenwiese denkt, fallen euch sicher die schönen Blumen, der Klee und das Gras ein. Habt ihr schon mal daran gedacht, dass es auch beim Gras unterschiedliche Arten gibt? „Gras ist Gras“ höre ich da immer wieder. Ich denke, diese Meinung ist deshalb verbreitet, da Gräser nicht so schön verschiedenfarbig blühen wie Blumen zum Beispiel. Tatsächlich gibt es viele unterschiedliche Gräserarten, die je nach Standort in unterschiedlicher Zusammensetzung vorkommen. Immer kombiniert mit Leguminosen, Kräutern und Blumen. Leguminose ist der Fachausdruck für die Hülsenfrüchte und umfasst im Grünland zum Großteil die Kleearten. Diese haben die tolle Fähigkeit, den Luftstickstoff über die Knöllchenbakterien (die an den Wurzeln anheften) in den Boden zu binden und der Pflanze als Dünger zur Verfügung zu stehen. Sehr häufig vorkommende Gräser sind das Knaulgras, das Wiesenrispengras, der Wiesenschwingel und das Englische Raygras. Letzteres ist der Hauptbestandteil von den „englischen Rasen“ in Gärten und auf Fußball- und Golfplätzen.

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Eine vielfältige Wiese besteht aus Blumen, Gräsern, Klee und Kräutern.

Umfassende Ökosystemleistungen.

Das Grünland hat in den letzten Jahren in der öffentlichen Bedeutung an Wert gewonnen. Grund dafür sind die umfassenden Leistungen für Natur und Gesellschaft. Da wäre einerseits die Funktion als Kohlenstoffspeicher. Grünland enthält im Schnitt 10 % Humus (so nennt man die belebte oberste Bodenschicht). Wenn man weiß, dass Humus zu mehr als der Hälfte aus Kohlenstoff besteht und Ackerland im Schnitt 3 % Humus hat, kann man sich denken, dass das Grünland in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Rolle spielt. Diese wichtige Rolle nimmt es auch bei der Wasserspeicherung ein. Durch den dichten Bewuchs und die gute Durchwurzelung kann es sehr gut Regenwasser aufnehmen und Überschwemmungen vorbeugen. Ein weiteres Ziel der Grünlandbewirtschaftung ist der Erhalt der Artenvielfalt. „Abgestufter Wiesenbau“ lautet das Konzept dafür, das wir auch auf unserem Bauernhof anwenden. Das bedeutet, dass Flächen am Betrieb zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemäht werden und unterschiedlich intensiv bewirtschaftet werden. Bei uns werden die Wiesen ein bis vier Mal gemäht und angepasst gedüngt. Der abgestufte Wiesenbau soll Wiesen mit einer vielfältigen Fauna und Flora gewährleisten. Diese würde auch vielen Gärten gut tun. Ist die Artenvielfalt schließlich kein Einzelthema der Landwirtschaft. Und der berühmte „englische Rasen“ der Alptraum für alle Bienen. Womit wir schon wieder bei einem anderen Thema wären.

Abgestufter Wiesenbau
Intensiver genutzte Wiesen sorgen für eine gute Futtermenge und -qualität, extensive Wiesen gewährleisten die Artenvielfalt.

Ihr seht schon, in der Landwirtschaft und der Natur hängt alles mit allem zusammen. Das seht ihr auch bei unseren Hofgeschichten. Wenn ein Thema beendet ist, warten schon einige Weitere, über die es viel zu erzählen gibt. Seid ihr auch schon gespannt, welches Thema als Nächstes kommt?