Die Herbstarbeit am Feld

Es ist wieder Herbst geworden. Sagt uns der Kalender. An den äußeren Bedingungen würden wir das nicht so leicht merken. Gerade noch hatte es an die 30 Grad und kurz darauf Minustemperaturen in der Früh. Die sogenannten Übergangszeiten werden kürzer, das merken wir alle. Pflanzen, die noch einmal zu blühen beginnen, Tiere, die viel zu spät ihr Winterquartier aufsuchen – alles Beispiele, die uns zeigen, dass etwas nicht ganz normal ist. Was dennoch normal ist, sind die Arbeiten, die am Bauernhof im Herbst zu tun sind. Getreide ansäen, Dünger ausbringen, Maschinen einwintern und so weiter. Näheres dazu jetzt.

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Buchweizen, Phacelia und der gelb blühende Senf bildeten heuer die Zwischenfruchtmischung.

Nach der Ernte ist vor dem Anbau

Ende Juli haben wir heuer unser Getreide geerntet (siehe Die Getreideernte). Dieses wurde dann getrocknet, gereinigt (Unkrautsamen und schadhafte Körner werden entfernt), in Säcke abgefüllt und eingelagert. Bis wir es zum Mahlen wieder hernehmen. Und es im Brot und Gebäck vollendet wird. Aber bleiben wir am Acker. Am Stoppelfeld (so nennt man den gedroschenen Getreideacker) wird das Stroh getrocknet und in Ballen gepresst. Das Stroh wird als Einstreu für die Kühe verwendet. Weiter geht´s mit dem Mulchen der restlichen Getreidestoppel. Dabei wird das restliche Stroh am Acker zerkleinert, um es leichter einarbeiten zu können. Das geschieht dann mit dem Grubber, einem Alternativgerät zum Pflug. Der Grubber wühlt die Strohreste, den aufgebrachten Mist und die Erde durch. Darauf haben wir eine Zwischenfruchtmischung angesät, damit der Boden bis zum Getreideanbau im Herbst bedeckt ist.

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Der Grubber in Aktion.

Anfang Oktober ging es dann weiter. Zuerst die Zwischenfrucht mulchen, dann pflügen,  die Saatbeetbereitung mit der Egge und dann endlich die Saat der Getreidekörner. Ihr seht, ziemlich viele Schritte, die dazwischen liegen. Und zweieinhalb Monate.

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Das frisch gesäte Getreidefeld.

Auf schnellstem Wege raus

Da liegt es jetzt also im Boden, das Getreidekorn. Umzingelt von Erdteilen, Pflanzenresten und Bodentieren. Zufrieden ist es damit nicht. Denn: es will an das Licht und zu einer neuen Pflanze werden. Sobald Wasser da ist, quillt das Korn auf und der Spross kämpft sich zum Licht. Versorgt mit allen Nährstoffen aus dem Korn, das ihn derzeit noch nährt. Bald wird die Pflanze eigene Wege gehen. Und erste Wurzeln schlagen. Vor dem Winter hat die Getreidepflanze nur noch ein Ziel. Nämlich in die Bestockung zu kommen. Nach einigen Zentimetern Größe an der Oberfläche wird das Längenwachstum gestoppt und aus einer Pflanze werden mehrere. Das nennt man Risikoverteilung in der Pflanzenwelt. Oder eben Bestockung. Wenn eine ausfällt, sind noch andere da. Für den Menschen zeigt sich die Bestockung, indem sich der Bestand verdichtet. Die Reihensaat ist dann nicht mehr erkennbar. Weiter geht es vor dem Winter nicht mehr. Zu groß wäre die Gefahr, im Winter abzufrieren. Auf dieses Risiko lässt sich das Getreide erst gar nicht erst ein.

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Ein Bild mit Aussagekraft: einerseits erkennt man die Ähnlichkeit von Getreide (links) und Wiesengras (rechts), die beide Süßgräser sind. Andererseits sieht man die Reihensaat beim Getreide durch die Bestockung nicht mehr.

Die Düngung

Der Herbst ist auch die Zeit der Düngung. Natürlich wird auch sonst das ganze Jahr gedüngt, aber vor dem Winter müssen die Lager leergeräumt werden. Warum ist das so? Weil gesetzlich eine Lagermöglichkeit für den tierischen Dünger von 6 Monaten vorgeschrieben ist. Und das hat natürlich seinen Grund. Im Winter, wenn auf den Feldern nichts wächst, ist keine Düngung möglich. Und das erfordert dann eben eine halbjährliche Lagermöglichkeit. Konkret darf man im Herbst auf Ackerflächen bis 15. Oktober und auf Wiesen bis 30. November düngen. Danach würde der Boden nichts mehr aufnehmen und die Nährstoffe würden ausgewaschen werden. Im Frühjahr ist es wieder ab 15. Februar erlaubt.

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Der Mistplatz muss vor dem Winter leergeräumt werden. 

Gülle, Mist und Jauche

Gehört habt ihr sicher von allen Begriffen schon. Aber was ist da jetzt der Unterschied? Gülle ist eine Vermengung von Harn und Kot und wird in einer gemeinsamen Grubbe gesammelt. Ausgeführt wird sie mit dem Güllefass. Das trifft auch auf die Jauche zu. So nennt man den getrennt gesammelten Harn. Dieser fällt zum Beispiel bei einer mit Stroh eingestreuten Liegefläche der Kühe an. Von hier kommt auch der Mist. So nennt man das feste Gemenge von Kot und Stroh. Der Mist wird auf einer Lagerfläche gelagert und mit dem Miststreuer ausgeführt. Soviel zu den Begrifflichkeiten.  Pro Kuh und Tag fallen ca. 40 kg Kot und Harn an. Auf unsere 15 Kühe hochgerechnet ergibt das rund 200 Tonnen pro Jahr. Wahnsinn, oder? Jetzt könnt ihr euch ungefähr vorstellen, welche Menge wir da als wertvollen Dünger wieder auf unsere Felder ausbringen dürfen und müssen.

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Die mit Gülle gedüngte Fläche ist klar erkennbar.

Ab in die Winterpause…

….heißt es nicht für uns, aber einen Großteil unserer Maschinen. Nachdem sie die ganze Saison im Einsatz waren, haben sie sich eine Pause verdient. Davor werden sie aber noch gewaschen, geputzt, abgeschmiert und unters Dach gebracht. Und mit den Maschinen geht vieles Weitere am Hof langsam in die Winterruhe. Die Felder, die Pflanzen und ein bisschen auch die Menschen.

Autor: hofgeschichten

Hofgeschichten. Die Geschichten vom Höllpaulihof. Erzählt von Sophie und Martin. Wer wir sind? Ein Pärchen aus der Steiermark, das dieselben Interessen und Faszinationen teilt, und doch so einige Unterschiede aufweist. Martin ist groß, Sophie ist klein. Sie kommt eher aus der Stadt, er ist ein Landkind. Er liebt Sport, Brauchtum und Feierlichkeiten, sie die Gemütlichkeit von lauen Samstagabenden im Bett und kreative Bastelstunden zu Hause. Gemeinsam haben wir die Liebe zur Natur und zur Landwirtschaft, über die wir in diesem Blog berichten.

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