Wie man als Konsument das Lebensmittelsystem ändern kann und warum die Direktvermarktung unseren Betrieb sichert.

Es scheint ja recht einfach. Wenn es um Landwirtschaft geht, stellt sich fast jeder einen kleinen Bauernhof mit vielen Tieren vor, auf dem Menschen arbeiten, die gut davon leben können. So weit, so gut. Nur dass dieses Idealbild heutzutage eher Ausnahme als Regel ist. Die Spezialisierung hat wie in beinahe allen Wirtschaftsbereichen auch in der Landwirtschaft Einzug gehalten. Weil das in der Lebensmittelversorgung zu unerwünschten Nebenwirkungen führt, wollen das viele ändern. Folgend ein Einblick aus unserer Sicht, wie das möglich wäre. Mit dem Beispiel der Direktvermarktung, die unseren Hof in dieser Form sichert.

Wenn größer nicht immer besser ist.

Sich zu ernähren ist seit jeher eine der wichtigsten Grundbedürfnissee des Menschen. Vom Jagen und Sammeln bis zu Ackerbau und Viehzucht war es ein langer Weg. Dieser führte von der reinen Selbstversorgung bis zur heutigen Arbeitsteilung. Ein Hauptgrund dafür war die Technisierung. Diese ersetzte viel harte Arbeit und erlaubte die Produktion hoher Stückzahlen zu niedrigen Preisen. Was auch die Lebensmittelpreise sinken ließ. Das führte dazu, dass die Ausgaben eines österreichischen Haushalts für Lebensmittel von ca. 50 % um 1950 auf 10-15 % heutzutage sanken. Damit nahm auch die Bereitschaft ab, selbst Gemüse im Garten zu ziehen, Hühner zu halten, etc.
Zudem konzentrierte sich die Vermarktung der Lebensmittel auf immer weniger Betriebe. Das führte dazu, dass heute die drei größten Lebensmittelketten in Österreich ca. 85 % Marktanteil haben. Die Zauberformel dafür lautet „economies of scale“: Wer größer wird und eine höhere Stückzahl produziert, nutzt Maschinen, Gebäude, etc. effizienter und günstiger. Was dabei verloren geht, ist der Faktor Mensch. Zudem bekommt der Landwirt einen immer kleineren Anteil des Endpreises. Dieser liegt bei vielen Produktsparten bei unter einem Drittel, zum Beispiel bei der Milch oder beim Apfel. Das hat zur Folge, dass es heute in Österreich weniger als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe im Vergleich zu 1970 gibt.

Die Milch ist ein gutes Beispiel: nur rund ein Drittel des Verkaufspreises im Supermarkt kommt beim Bauern an.

Eine Win-Win-Situation.

Eine der Lösungen liegt in der Direktvermarktung. Bäuerinnen und Bauern bekommen den ganzen Anteil des Preises, müssen sich aber auch um Verarbeitung, Verpackung, Marketing und Preisgestaltung kümmern. Was dabei meistens steigt, ist die Zufriedenheit. Weil der direkte Kontakt zum Konsumenten besteht. Dieser fällt beim Verkauf an den Großhändler weg. Und den Preis bekommt man dabei auch je nach Marktlage vorgegeben.

Damit genug zum Allgemeinen und direkt zu unserem Hof. Die Direktvermarktung ist seit langem ein wichtiges Standbein auf unserem Hof. Bereits 1977 hat Martins Oma begonnen Brot zu backen – seitdem wurde die Direktvermarktung stetig ausgebaut. Zuerst noch als Lieferung an einige Bioläden und in die umliegenden Orte. In den vergangenen Jahren nur noch über den Hofladen. Und seit einigen Monaten zusätzlich auch über den Selbstentnahmekühlschrank.

Brot und Gebäck sind nach wie vor die wichtigsten Vermarktungsprodukte auf unserem Hof.

Was wir sicher wissen: ohne die direkte Vermarktung unserer Lebensmittel würde unser Hof in dieser vielfältigen und kleinteiligen Form nicht mehr bestehen. Dabei schwingt immer auch der Dank an unsere Kundinnen und Kunden mit, die mit ihrem Einkauf unseren Hof unterstützen. Das ist das Schöne an der Direktvermarktung – es ergibt sich eine Win-Win-Situation.

Diesen Spruch haben wir unseren Kundinnen und Kunden zu Weihnachten gegeben – geschrieben hat ihn Martin.

Generell kann man sagen: Wenn man die Arbeit eines Betriebes, einer Region oder eines Landes schätzt, muss man diesen direkt unterstützen. Nur das sichert das Fortbestehen. Wenn man zum Beispiel weiterhin einen Bauernhof in der Gemeinde haben möchte. Oder gut findet, dass der Nachbar seine Tiere auf der Weide hält. Jedes gekaufte Produkt gibt dem Erzeuger den Auftrag, dieses Produkt wieder herzustellen. Und das hoffentlich zu einem Preis, von dem er langfristig im Einklang mit der Natur wirtschaften kann. Das gilt in der Landwirtschaft, aber auch generell in der Wirtschaft.

Nun ist es natürlich nicht allen Menschen möglich, direkt beim Bauern einzukaufen. Nur rund 5 % des Lebensmittelmarkts macht die Direktvermarktung aus. Aber auch im Supermarkt hat man die Möglichkeit, die heimische Landwirtschaft zu unterstützen. Mit dem Kauf von regionalen Produkten. Im Supermarkt bedeutet das meist aus Österreich, außer Lebensmittel werden gezielt kleinräumiger bezogen. Dafür muss aber auch die Kennzeichnung besser werden – nicht immer fällt es ganz leicht, die Herkunft zu erkennen. Vor allem nicht bei verarbeiteten Produkten und in der Gastronomie. Hilfreich ist auch, weniger Produkte im Angebot zu kaufen. Diese sind zwar für KäuferInnen verlockend, führen aber meist bei den Produzenten zu höherem Preisdruck. Dieser wird auch durch Eigenmarken der Supermarktketten, vor allem im Niedrig-Preis-Bereich, gesteigert.

Eines noch zum Schluss: aufgrund der weltweiten Warenströme könnten wir wahrscheinlich auch den Großteil unserer Lebensmittel in Österreich importieren. Teilweise sogar zu günstigeren Preisen. Dass das für die Ernährungssicherheit den Tod bedeuten würde, ist klar. Dabei hat uns gerade Corona wieder die Wichtigkeit der heimischen Lebensmittelversorgung eindrucksvoll bewiesen. Und dafür braucht es Bäuerinnen und Bauern, die langfristig von ihrer Arbeit leben können. Dass wir Lebensmittel haben, die im wahrsten Sinne des Wortes Mittel zum Leben sind.

Autor: hofgeschichten

Hofgeschichten. Die Geschichten vom Höllpaulihof. Erzählt von Sophie und Martin. Wer wir sind? Ein Pärchen aus der Steiermark, das dieselben Interessen und Faszinationen teilt, und doch so einige Unterschiede aufweist. Martin ist groß, Sophie ist klein. Sie kommt eher aus der Stadt, er ist ein Landkind. Er liebt Sport, Brauchtum und Feierlichkeiten, sie die Gemütlichkeit von lauen Samstagabenden im Bett und kreative Bastelstunden zu Hause. Gemeinsam haben wir die Liebe zur Natur und zur Landwirtschaft, über die wir in diesem Blog berichten.

2 Kommentare zu „Wie man als Konsument das Lebensmittelsystem ändern kann und warum die Direktvermarktung unseren Betrieb sichert.“

  1. Liebe Kappels,

    ihr macht es perfekt und meine Familie bzw. einige Freunde von uns lieben es bei Euch einzukaufen.
    Weiter so!!!!

    Glg, Tanja Arndt

    Liken

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