Die Herbstarbeit am Feld

Es ist wieder Herbst geworden. Sagt uns der Kalender. An den äußeren Bedingungen würden wir das nicht so leicht merken. Gerade noch hatte es an die 30 Grad und kurz darauf Minustemperaturen in der Früh. Die sogenannten Übergangszeiten werden kürzer, das merken wir alle. Pflanzen, die noch einmal zu blühen beginnen, Tiere, die viel zu spät ihr Winterquartier aufsuchen – alles Beispiele, die uns zeigen, dass etwas nicht ganz normal ist. Was dennoch normal ist, sind die Arbeiten, die am Bauernhof im Herbst zu tun sind. Getreide ansäen, Dünger ausbringen, Maschinen einwintern und so weiter. Näheres dazu jetzt.

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Buchweizen, Phacelia und der gelb blühende Senf bildeten heuer die Zwischenfruchtmischung.

Nach der Ernte ist vor dem Anbau

Ende Juli haben wir heuer unser Getreide geerntet (siehe Die Getreideernte). Dieses wurde dann getrocknet, gereinigt (Unkrautsamen und schadhafte Körner werden entfernt), in Säcke abgefüllt und eingelagert. Bis wir es zum Mahlen wieder hernehmen. Und es im Brot und Gebäck vollendet wird. Aber bleiben wir am Acker. Am Stoppelfeld (so nennt man den gedroschenen Getreideacker) wird das Stroh getrocknet und in Ballen gepresst. Das Stroh wird als Einstreu für die Kühe verwendet. Weiter geht´s mit dem Mulchen der restlichen Getreidestoppel. Dabei wird das restliche Stroh am Acker zerkleinert, um es leichter einarbeiten zu können. Das geschieht dann mit dem Grubber, einem Alternativgerät zum Pflug. Der Grubber wühlt die Strohreste, den aufgebrachten Mist und die Erde durch. Darauf haben wir eine Zwischenfruchtmischung angesät, damit der Boden bis zum Getreideanbau im Herbst bedeckt ist.

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Der Grubber in Aktion.

Anfang Oktober ging es dann weiter. Zuerst die Zwischenfrucht mulchen, dann pflügen,  die Saatbeetbereitung mit der Egge und dann endlich die Saat der Getreidekörner. Ihr seht, ziemlich viele Schritte, die dazwischen liegen. Und zweieinhalb Monate.

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Das frisch gesäte Getreidefeld.

Auf schnellstem Wege raus

Da liegt es jetzt also im Boden, das Getreidekorn. Umzingelt von Erdteilen, Pflanzenresten und Bodentieren. Zufrieden ist es damit nicht. Denn: es will an das Licht und zu einer neuen Pflanze werden. Sobald Wasser da ist, quillt das Korn auf und der Spross kämpft sich zum Licht. Versorgt mit allen Nährstoffen aus dem Korn, das ihn derzeit noch nährt. Bald wird die Pflanze eigene Wege gehen. Und erste Wurzeln schlagen. Vor dem Winter hat die Getreidepflanze nur noch ein Ziel. Nämlich in die Bestockung zu kommen. Nach einigen Zentimetern Größe an der Oberfläche wird das Längenwachstum gestoppt und aus einer Pflanze werden mehrere. Das nennt man Risikoverteilung in der Pflanzenwelt. Oder eben Bestockung. Wenn eine ausfällt, sind noch andere da. Für den Menschen zeigt sich die Bestockung, indem sich der Bestand verdichtet. Die Reihensaat ist dann nicht mehr erkennbar. Weiter geht es vor dem Winter nicht mehr. Zu groß wäre die Gefahr, im Winter abzufrieren. Auf dieses Risiko lässt sich das Getreide erst gar nicht erst ein.

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Ein Bild mit Aussagekraft: einerseits erkennt man die Ähnlichkeit von Getreide (links) und Wiesengras (rechts), die beide Süßgräser sind. Andererseits sieht man die Reihensaat beim Getreide durch die Bestockung nicht mehr.

Die Düngung

Der Herbst ist auch die Zeit der Düngung. Natürlich wird auch sonst das ganze Jahr gedüngt, aber vor dem Winter müssen die Lager leergeräumt werden. Warum ist das so? Weil gesetzlich eine Lagermöglichkeit für den tierischen Dünger von 6 Monaten vorgeschrieben ist. Und das hat natürlich seinen Grund. Im Winter, wenn auf den Feldern nichts wächst, ist keine Düngung möglich. Und das erfordert dann eben eine halbjährliche Lagermöglichkeit. Konkret darf man im Herbst auf Ackerflächen bis 15. Oktober und auf Wiesen bis 30. November düngen. Danach würde der Boden nichts mehr aufnehmen und die Nährstoffe würden ausgewaschen werden. Im Frühjahr ist es wieder ab 15. Februar erlaubt.

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Der Mistplatz muss vor dem Winter leergeräumt werden.

Gülle, Mist und Jauche

Gehört habt ihr sicher von allen Begriffen schon. Aber was ist da jetzt der Unterschied? Gülle ist eine Vermengung von Harn und Kot und wird in einer gemeinsamen Grubbe gesammelt. Ausgeführt wird sie mit dem Güllefass. Das trifft auch auf die Jauche zu. So nennt man den getrennt gesammelten Harn. Dieser fällt zum Beispiel bei einer mit Stroh eingestreuten Liegefläche der Kühe an. Von hier kommt auch der Mist. So nennt man das feste Gemenge von Kot und Stroh. Der Mist wird auf einer Lagerfläche gelagert und mit dem Miststreuer ausgeführt. Soviel zu den Begrifflichkeiten.  Pro Kuh und Tag fallen ca. 40 kg Kot und Harn an. Auf unsere 15 Kühe hochgerechnet ergibt das rund 200 Tonnen pro Jahr. Wahnsinn, oder? Jetzt könnt ihr euch ungefähr vorstellen, welche Menge wir da als wertvollen Dünger wieder auf unsere Felder ausbringen dürfen und müssen.

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Die mit Gülle gedüngte Fläche ist klar erkennbar.

Ab in die Winterpause…

….heißt es nicht für uns, aber einen Großteil unserer Maschinen. Nachdem sie die ganze Saison im Einsatz waren, haben sie sich eine Pause verdient. Davor werden sie aber noch gewaschen, geputzt, abgeschmiert und unters Dach gebracht. Und mit den Maschinen geht vieles Weitere am Hof langsam in die Winterruhe. Die Felder, die Pflanzen und ein bisschen auch die Menschen.

Ein Hoch auf die Milch

Sie ist ein wahrer Wundertrunk. Vielen kleinen Lebewesen steht sie als wertvolle Nahrung in den ersten Stunden, Wochen und Monaten des Lebens zur Verfügung. Reich an Inhaltsstoffen, perfekt optimiert an die Bedürfnisse. Für Mensch und Tier. Und dennoch ist die Milch heute viel mehr geworden als eine Nahrung für den ersten Lebensabschnitt. Kaffeeverfeinerer, Wirtschaftsbringer, Industrierohstoff, Diskussionsgrundlage und was weiß ich noch alles. Alles Gründe für mich, die Milch mal genauer zu beleuchten.

Eine Begriffsklärung.

Wenn man landläufig über Milch redet, ist meist die Kuhmilch gemeint. Klar, davon gibt es am Meisten. Aber auch die Milch von Schafen, Ziegen, Pferden und anderen Tieren kann man trinken. Und als Säugling natürlich die Milch der Mutter. Was die Milch unterscheidet, sind die Inhaltsstoffe. Der Großteil ist mit ca. 85 % immer Wasser, aber vor allem beim Fett, Eiweiß und dem Milchzucker (Laktose) gibt es Unterschiede. Während Kuhmilch im Schnitt 4 % Fett und 3,5 % Eiweiß hat, ist die Schafmilch mit 5,5 % Fett und 4,5 % Eiweiß reicher an Inhaltsstoffen. Die Muttermilch beim Menschen enthält dagegen nur ca. 1,5 % Eiweiß und 4 % Fett. Dafür hat sie mit 7 % den höchsten Anteil an Milchzucker. Ein wesentlicher Unterschied liegt bei den Milchmengen. Während Kühe im Schnitt 15 bis 25 l Milch pro Tag geben, ist die Menge bei Schafen (2-4 l) und Ziegen (3-4 l) wesentlich geringer. Diese Mengen hängen wesentlich von der Fütterung ab. Näheres dazu jetzt.

Kleewiese (1)
Saftige Wiesen mit Gräsern, Klee und Kräutern sind ein Paradies für Wiederkäuer.

Was die Evolution mit der Landschaftspflege zu tun hat.

Beginnen wir bei der Evolution. Warum haben sich die Wiederkäuer (Kuh, Schaf, Ziege) im Laufe der Entwicklung der Erde durchgesetzt? Ein wichtiger Grund waren ihre vier Mägen, mit denen sie die Inhaltsstoffe im Gras in körpereigene Energie umwandeln konnten. Damit konnten sie Wiesenfutter nutzen, was viele andere Tiere nicht konnten. Heute noch ist das gleich. Die Wiederkäuer sorgen dafür, dass das Gras unserer Wiesen abgefressen wird. Machen sie das nicht mehr, wachsen innerhalb weniger Jahre Büsche und Bäume und die Wiese verwaldet. Mit dem gefressenen Gras kann eine Kuh pro Tag rund 20 l Milch geben. Weil das heute teilweise zu wenig geworden ist, gibt man der Kuh oft auch energiereicheres Futter wie Getreide und Mais. Damit steigt die Leistung der Kuh, aber sie wird automatisch auch zu einem Futterkonkurrenten zum Huhn oder Schwein. Und auch zum Menschen.

Das mag ein Grund sein, warum die Milch heute in Verruf geraten ist. Ein anderer könnte die starke Verarbeitung sein. Die natürlichste Milch ist die Rohmilch. Die wird einfach gemolken und runtergekühlt. Fertig. Seit die Haltbarkeit eine größere Rolle spielt, wird sie erhitzt, um die Bakterien abzutöten. Pasteurisieren nennt man die erste Stufe. Daneben gibt es heutzutage viele weitere. Bis zur ultrahoch-erhitzten ESL-Milch. Dabei kann man sich schon die Frage stellen, ob man noch von Milch sprechen kann, wenn sie nicht einmal mehr gekühlt werden muss. Neben dem Erhitzen werden die Inhaltsstoffe entzogen und wieder zugesetzt, bis man die gewünschte Milch erhält. Fett raus, Fett rein, Wasser raus, Wasser rein, Laktose raus – klingt wie ein Baukastensystem, bei dem man rausnimmt und rein gibt, wie man es gerade braucht. Dabei vergisst man, dass die Milch eigentlich von Grund auf schon perfekt ist.

Weidende Kühe unter Apfelbaum
Apfelbäume auf der Weide geben Schatten und die Äpfel als „Snack“ für die Kühe.

Die intensive Fütterung und die starke Verarbeitung sind für mich zwei Gründe, warum es bei der Milch in den letzten Jahren zu einem Glaubenskrieg kommt. Und warum immer mehr Leute Milch nicht vertragen. Wenn man die Wiederkäuer das machen lässt, was sie am besten können, nämlich Gras zu Milch und Fleisch zu verwerten und die Milch das sein lässt, was sie ohnehin ist, nämlich ein Wundertrunk, würde das vielen Problemen erst gar keine Grundlage geben.

Nicht nur auf den Inhalt kommt es drauf an.

Diese Gedanken versuchen wir auch auf unserem Hof zu leben. Unsere 15 Kühe produzieren aus dem Gras unserer Wiesen beste Bio-Milch, die wir dann als Rohmilch ab Hof verkaufen. In der Mehrweg-Glasflasche mit Pfandsystem. Aus Überzeugung. Wo wir schon beim nächsten Thema wären. Nämlich dem der Verpackung. Die seit kurzem wieder eingeführten Glasmilchflaschen haben zwar Vorteile im Sinne der Plastikvermeidung, aber aus Umweltsicht zu Ende gedacht, würde nur ein Mehrwegsystem Sinn ergeben.

Milchflasche im Silo
Die Bio-Rohmilch in der Mehrweg-Glasflasche gibt´s bei uns ab Hof am Donnerstag von 15-19 Uhr im Hofladen und rund um die Uhr im Selbstentnahmekühlschrank.

Ihr seht schon, das Thema liegt uns am Herzen. Wahrscheinlich, weil wir tagtäglich damit zu tun haben. Genau deswegen beantworten wir auch gerne die Fragen unserer KundInnen. Und bieten „Melken mit Martin“ an. Weil wir dann auch auf Fragen wie, warum das Kalb nicht direkt bei der Mutter trinken darf oder die Kühe bei uns keine Hörner haben, ausführlich Antworten geben können. Spannende Themen gibt es also genug. Für weitere Hofgeschichten oder auch mal einen Besuch bei uns.

Marlies mit Kindern (2)
Melken mit Martin – eine tolle Möglichkeit, beim Kühe melken dabei zu sein.

 

Der Bauernhof als Fitnesscenter

Ich mache gerne Sport. So wie viele andere auch. Ich war aber nie bei einem Sportverein dabei. Das Mithelfen zuhause am Hof und die Zeit im Internat haben sich damit nicht gut vereinbaren lassen. Dafür habe ich viele andere Gelegenheiten zum Sporteln genutzt. Fußball habe ich in der Schule, mit der Landjugend oder mit den Nachbarkindern gespielt. Laufen und Radfahren gehe ich alleine oder ich rede mich mit jemandem zusammen. Und ich mache Kraft- und Ausdauerübungen. Aber nicht im Fitnesscenter, sondern bei uns am Hof. Einige davon möchte ich euch zeigen. Aber zuerst…

Warum eigentlich?

Klar, im Fitnesscenter hat man alle Geräte auf einem Platz und teilweise auch noch Betreuung dazu. Das hat Vorteile. Aber man muss extra wohin fahren (sofern man es nicht zuhause hat) und dafür bezahlen. Am Hof geht es manchmal über den Tag verteilt mit der Arbeit mit. Da ein paar Klimmzüge, dort ein paar Ausfallschritte. Die Pausen dazwischen ergeben sich von selbst. Teilweise mache ich es auch als geblocktes Programm. Mit ein bisschen Kreativität kommt man da auf immer neue Übungen – Platz und Material sind ja vorhanden. Jetzt aber wirklich zu den Übungen.

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Liegestütze mit der Gartenbank

Die selbstgemachten Holzbänke im Garten werden gerne von unseren Kunden zum Sitzen genutzt. Gut verwendbar sind sie aber auch für Liegestütze. Mit erhöhten Beinen, das steigert die Schwierigkeit. Das höchste Level ist dann erreicht, wenn die Bänke nach einem Regen nass sind und die Beine das Hin- und Herrutschen ausgleichen müssen.

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Übungen am Querbalken

Der Querbalken im Vorraum  des Melkstands und der Milchkammer erfüllt während den Melkzeiten gute Dienste. Damit sind nämlich einige Übungen möglich. Er kann zum Beispiel zum Aushängen für die Körperstreckung oder als Bauchmuskeltraining durch Anziehen der Beine verwendet werden. Gerne mache ich damit auch Klimmzüge.

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Kniebeugen mit dem Rechen

Kniebeugen sind eine beliebte Trainingsübung, weil sie sehr effektiv sind. Empfohlen werden ein schulterbreiter Stand und leicht angezogene Zehenspitzen. Vor einigen Jahren habe ich mal Crossfit probiert – da wurde die Schwierigkeit der Kniebeugen (auf Englisch „squats“) mit einer Stange erhöht. Bauernhofgerecht wird diese Übung mit einem Rechen. Möglichst gerade und mit gestreckten Armen halten und los geht´s.

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Bauchmuskeltraining mit dem Hoftrac

Der Hoftrac ist am Bauernhof ein Universalgerät für vielfältige Arbeiten – die Schaufel, die Zange und die Gabel sorgen dafür. Und er eignet sich auch hervorragend als Trainingsgerät. Die Zange, sonst zum Ballenführen verwendet, kann sehr gut für das Bauchmuskeltraining durch das Anheben der Beine verwendet werden.  Die Höhe ist flexibel einstellbar und die unruhigen Zangenhälften sorgen für eine effektive Trainingsdurchführung.

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Übungen mit der Ackerschiene

Habt ihr schon mal von einer Ackerschiene gehört? Wahrscheinlich eher nicht. Das ist eine Verbindungsschiene der Unterlenker beim Traktor. Sie ist aus Eisen (dementsprechend schwer) und mit regelmäßigen Löchern versehen. Ich nehme sie gerne für Kraftübungen. Beispielsweise zum Anheben aus den nach unten gestreckten Armen zur Brust oder zum Anheben in die nach oben ausgestreckten Arme.

Möglich sind damit auch Ausfallschritte mit höherem Gewicht. Meist sind jedoch auch Ausfallschritte, die für eine Stärkung der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur sorgen, mit dem eigenen Körpergewicht schwierig genug. Ein Tipp von mir: wenn man sich dabei nach vorne auf einer gewissen Distanz und nicht am Stand bewegt, steigert das die Motivation.

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Wenn die Arbeit auch Sport ist

Das war jetzt eine Übersicht über einige Übungen, die ich am Hof gerne mache. Meistens ist aber auch der Arbeitsalltag anstrengend genug. Wenn ich zum Beispiel an das Mähen mit dem Motormäher am Steilhang denke. Oder es passieren unvorhergesehene Dinge – zum Beispiel dass unsere Kühe aus dem Zaun ausbrechen. Da ist dann eine gute Kondition gefragt.

Ihr seht schon, die körperliche Fitness kommt am Bauernhof nicht zu kurz. Mit und ohne Trainingsübungen.

Die Getreideernte

Es ist mitunter die wichtigste Zeit im Jahr. Nach der Saat des Getreides im Oktober steht im Juli bis August die Getreideernte an. Dazwischen liegen 9-10 Monate, in denen das Korn zu einer großen, stabilen Pflanze mit einem Fruchtstand (meist der Ähre) reift. Viel steht während dieser Zeit auf dem Spiel. Auf unserem Hof das Mehl als Grundlage für das Brot das ganze Jahr über.

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Sophie im Dinkelfeld.

Das Getreide

Wäre euch schon mal in den Sinn gekommen, dass das Gras in eurem Garten zur gleichen Pflanzenfamilie wie das Getreide im Acker gehört? Das mag anfangs komisch klingen, ist aber tatsächlich so. Beides gehört zur Familie der Süßgräser. Etwas leichter zu verstehen ist das, wenn man auf eine Wiese blickt, die erst im Juli gemäht wird. Die Gräser haben bereits ihren Fruchtstand ausgebildet und haben ihre Farbe von grün auf braun bis gelb gewechselt. Nichts anderes passiert beim Getreide, das im Jugendstadium wie eine grüne Wiese aussieht. Natürlich haben die heutigen Sorten durch Züchtung mehr und größere Körner im Vergleich zu früher und ihren Verwandten, den Wiesengräsern.

Roggen im Dezember
Der Roggen im Dezember.

Wenn das Getreide reif wird…

Der Zeitpunkt der Getreideernte ist ein Antasten an den optimalen Zeitpunkt anhand mehrerer Parameter. Zuerst wäre da einmal die Farbe. Braun bis goldgelb muss es sein. Die gesamte Energie des Chlorophylls, das der Pflanze die grüne Farbe verleiht, wird während der Reife in die Körner gesteckt. Dann die Körner, die sich von der Milchreife (sehr weich) über die Teigreife bis zur Vollreife (bissfest) entwickeln. Damit hängt auch der Wassergehalt der Körner zusammen. Maximal 14 % Wasser darf das Korn in sich haben, um lagerfähig zu sein. Kommt euch das bekannt vor? Richtig. In der Hofgeschichte über das Futter für die Tiere habt ihr vom Heu gelesen, bei dem das gleich ist. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden, dass das Getreide mit mehr Feuchtigkeit gedroschen wird. Dann schafft eine Trocknungsanlage Abhilfe, bei der das gleichmäßig aufgeschüttete Getreide von unten mit warmer Luft durchströmt wird und so fertig trocknet.

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Der Mähdrescher bei der Arbeit.

Und jetzt ist der Mähdrescher dran

Solange das Getreide am Feld steht, kann immer etwas passieren. Hagel, Sturmregen und Dürre können zu Ertragsverlusten bis zu Totalausfällen führen. Umso schöner ist es, wenn der Zeitpunkt der Ernte und damit auch der Mähdrescher kommt. Scheinbar mit Leichtigkeit schneidet er die Getreidehalme ab und trennt die Körner vom Stroh. Dieses fällt hinten heraus und dient als Einstreu für Tiere oder bleibt als Dünger am Feld. Ein besonders schönes Gefühl ist, wenn die Körner am Anhänger und unter Dach sind. Die Ernte ist dann buchstäblich im Trockenen.

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Goldgelb, so soll das Stroh sein.

…und dann?

Wir haben heuer Dinkel und Roggen angebaut. Beide Getreidearten eignen sich hervorragend zum Brot backen. Der Roggen, eine sehr widerstandsfähige Sorte, wird nach dem Dreschen gereinigt. Dabei werden unerwünschte Körner (vor allem Unkräuter) aussortiert. Nach dem Reinigen folgt die Abfüllung in Säcken, die dann kühl und dunkel gelagert werden. Beim Dinkel ist die Geschichte komplizierter. Nach dem Dreschen sieht man vom Korn erstmal noch nichts. Dieses ist versteckt unter Spelzen, die die Körner schützen. Mithilfe einer Entspelzungsanlage wird die Ummantelung des Korns entfernt.

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Der Dinkel vor dem Entspelzen.

Die Spelzen sind aber kein Abfallprodukt, sondern können als Einstreu in Hühnernester oder als Kissenfüllung verwendet werden. Danach folgt das gleiche Prozedere wie beim Roggen. Und am Ende geht es allen Körnern gleich: entweder landen sie im Brot oder werden im Herbst zu einer neuen Getreidepflanze.

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Blick von der Kuhweide auf zwei gedroschene Getreideäcker.

Vom Kühe melken und Melken mit Martin

Es ist 5 Uhr früh. Der Wecker klingelt. Ein kurzer Gedanke. Kann ich weiterschlafen? Selbstständig bin ich ja, aber die Kühe warten trotzdem. Also raus aus dem Bett und rein in den Stall. Im Winter, wenn alles finster ist, fällt das schwerer, im Sommer geht das leichter. Licht aufdrehen, Radio einschalten und ein lautes „Guten Morgen, Muhlis“. Ganz begeistert sind auch die Kühe nicht. Ob sie schlafen, ist schwer zu sagen, nachdem sie ihre Augen beim Schlafen nicht immer schließen. Sagen wir, sie ruhen. Und wiederkauen ihr Futter, das in Paketen aus dem Pansen kommt. Einige stehen gleich motiviert auf und gehen in den Melkstand. Je nach Rangfolge und Rhythmus. Drei Kühe brauchen wir pro Melkvorgang. Dann wieder drei und wieder drei, bis alle gemolken sind. Maximal 15 Kühe haben wir. Die anderen können bis dahin noch liegen bleiben. Aber dran kommt Jede. In der Früh wie am Abend. Tagein, tagaus. Auch am Sonntag und nach Silvester (wenn es besonders schwer fällt).

Entspannte Katze beim Melken
Die Katzen fühlen sich während dem Melken besonders wohl!

Warum werden Kühe überhaupt gemolken?

In der Mutterkuhhaltung ist die Milch ausschließlich für die Kälber, die sie selbst von ihren Müttern trinken. In der Milchviehhaltung muss die Milch gemolken werden, um dem Menschen zur Verfügung zu stehen. Das erste Mal gibt eine Kuh nach der Geburt des ersten Kalbs Milch. Danach gibt die Kuh eine Saison lang (Laktation genannt) Milch, bevor sie eine ca. zweimonatige Ruhezeit bekommt. Dieses sogenannte „Trockenstellen“ gibt der Kuh die Möglichkeit, sich gut auf das nächste Abkalben vorzubereiten. Im Schnitt dauert eine Laktation 305 Tage.

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Unser Melkstand.

Das Melken

Unsere Kühe werden in einem Fischgrätenmelkstand mit drei Plätzen gemolken. Den Namen hat dieser Melkstand von seiner Form, die Fischgräten ähnlich sind. Die Kühe sind dabei schräg angeordnet. Für den Melker bietet der Melkstand den Vorteil, sich in aufrechtem Stand zur Kuh dazustellen zu können. Wenn drei Kühe im Melkstand sind, werden von jeder der vier Zitzen einige Milliliter vorgemolken, um die Milch zu überprüfen. Zuerst befindet sich die Milch im oberen Teil des Euters. Durch das Vormelken und die vertraute Atmosphäre im Melkstand rinnt die Milch in den unteren Teil des Euters und kann gemolken werden. Vor dem Anstecken der vier Melkzeuge wird das Euter noch sauber gereinigt und dann kann es losgehen. Dann braucht es ca. 10 Minuten, bis die ca. 10-15 Liter gemolken sind. Danach ist die Vorfreude auf das frische Futter am Fressplatz groß und die Kühe machen Platz für die nächsten drei Kolleginnen. Der Weg der Milch führt dann über die Rohrleitung in den Milchtank und wird dort von den ca. 37°C im Euter auf 4,5°C heruntergekühlt. Alle zwei Tage kommt der Milchwagen und holt die Milch ab. Oder die Rohmilch wird frisch am Hof verkauft oder zu Topfen und Joghurt verarbeitet.

Kühe beim Fressen
Nach dem Melken freuen sich die Kühe auf das frische Futter.

Melken mit Martin

Früher hatten die meisten Familien am Land einen kleinen Bauernhof. Und die meisten zumindest eine oder mehrere Kühe. Und damit konnten auch viele melken. Heute ist das anders. Es gibt nur mehr wenige Milchviehbetriebe und damit sind auch die Melkerfahrungen weniger geworden. Dabei haben Viele den Wunsch, einmal eine Kuh zu melken und bei der Stallarbeit dabei zu sein.

Du auch? Wir geben dir die Möglichkeit dazu!

Begleite Martin bei der täglichen Stallarbeit und melke deine erste eigene Kuhmilch.

Alle Info dazu findest du hier!

Nachbarkinder
Von klein bis groß waren Viele bereits beim Melken dabei.

Frühlingskräuter

Fragt ihr euch auch, wie schnell der Übergang zwischen Winter und Frühling bzw. Sommer heuer eigentlich über die Bühne gegangen ist? Hier stellen wir einige Frühlingskräuter von April und Mai vor.

Fragt ihr euch auch, wie schnell der Übergang zwischen Winter und Frühling bzw. Sommer heuer eigentlich über die Bühne gegangen ist?

Ruhten die Pflanzen Ende März teilweise noch im Schnee, sind sie ab Mitte April jedoch schon so richtig aus den Startlöchern geschossen und haben den zweiwöchigen Vegetationsrückstand bis Mitte Mai zu einem zweiwöchigen Vorsprung (!) ausgebaut.

Übergangsphasen waren früher.

Heuer ist die Überholspur angesagt!

Landschaften haben durch diese regelrechte „Explosion“ der Natur dadurch sehr rasch ihr Aussehen verändert, sind von einer kargen Winterlandschaft, zu saftigem Grün, zur üppig-blühenden Vielfalt bis teilweise zur frühen Fruchtreife gewechselt.

In dieser Phase hat Sophie versucht, ein Herbarium für ihren Kräuterpädagogikkurs anzulegen, was – zugegeben – manchmal zur Herausforderung wurde.

Nicht nur für diese – menschlichen – Bedürfnisse (Stichwort: Luxusproblem!) stellte der rasante Wechsel der Vegetation und die schnellen Vegetationsschritte also ein Problem dar, auch unsere fleißigen kleinen Bestäuberinnen, Bienen und Hummeln, waren sichtbar im Stress – mussten doch die Blüten in kürzester Zeit bestäubt und die wertvollen Trachten wieder heil in den Stock gebracht werden.

Gar nicht so einfach bei so vielen blühenden Pflanzen!

So war beispielsweise die Blüte unserer Obstbäume, wie Apfelbaum, Kirschbaum, Birnbaum und deren Freunden, nach jeweils einer Woche Vollblütezeit bereits wieder vorbei.

Kann man also nur hoffen, dass die lieben Bienen in dieser Zeit auch möglichst viele Blüten besucht und auch bestäubt haben.

Rote Kirschen, saftige Äpfel, mehlige Kastanien oder duftende Quitten, wird es ansonsten nämlich im Herbst nur in raren Mengen geben.

Ändern kann man an der Sache mit den schnellen Vegetationsschritten und dieser grünen Explosion natürlich nichts, die Natur macht ihre Sache und wir können uns ihren Zeitvorgaben nur anpassen, diese nicht – wie ansonsten so Vieles in unserer Umgebung oder unserem Umfeld – ändern, oder gar an uns anpassen.

Und das ist auch gut so.

Trotzdem – oder gerade deswegen – haben auch wir uns von der Natur in den letzten Wochen und an den letzten Wochenenden ein wenig stressen lassen.

Einige Arbeiten – neben der Erstellung des Herbariums, betrifft dies natürlich auch die Heuernte und die Verarbeitung der ersten Mahd zu Grassilage – können einfach nur im Einklang und im Rhythmus mit der Natur durchgeführt werden.

Reges Treiben auf unseren Wiesen, Weiden und Feldern war da natürlich die logische Folge. 🙂

Herbarium.

Um ein ansehnliches und gut sortiertes Herbarium zu erstellen braucht man 4 Dinge: alte Zeitungen, eine (selbstgebaute) Pflanzenpresse um die Pflanzen schön konservieren zu können, ein Pflanzenbestimmungsbuch und – das wichtigste Kriterium – Zeit. Gerade in Phasen, wo unsere Natur nahezu explodiert, ist es wirklich wichtig, regelmäßig auf die Wiesen, Weiden und Wälder zu gehen, die Pflanzen zu bestimmen und, wenn man möchte und die Pflanzen nicht geschützt sind, einzelne Pflanzen mitzunehmen und zu pressen. Sophie ist ca. alle zwei Wochen zum Sammeln unterwegs gewesen und hat jeweils ca. 20 neue Pflanzen mitgebracht. Und dabei waren das bei weitem noch nicht alle Wildkräuter, die neu zu bestimmen waren, sondern nur die jeweils auffälligsten!

Einige Pflanzen die auf und rund um unsere Weiden, Wiesen und Wälder wachsen, möchten wir euch hiermit vorstellen. Vielleicht habt ihr ja das Glück sie auf euren nächsten Spaziergängen zu entdecken… dann grüßt sie von uns und sagt ihnen Bescheid, dass sie jetzt kleine „Hofgeschichten-Stars“ sind. 😉

Die ersten beiden Aprilwochen.

Die „Frühblüher“ sind unterwegs.

Lerchensporn – Lungenkraut – Seidelbast – Hundszahnlilie – Krokus – Schaumkraut – grüne Nieswurz

Dritte und vierte Aprilwoche.

Immergrün – Frühlings-Platterbse – Erdbeere – Gundelrebe – Hirtentäschel – große Sternmiere – Goldnessel – Beinwell

Mai.

Quitte – weißer Günzel – Beinwell – Pechnelke – Glockenblume – Holunder – Wicke – Luzerne – Steinklee – Rose – Baldrian

Holunderblütensirup.

Zu guter Letzt haben wir auch noch ein Rezept für euch. Wer schnell ist, kann jetzt nämlich noch einen eigenen Holundersirup herstellen:

  • 3kg Zucker
  • 2 Liter Wasser
  • 30 große Holunderblütendolden
  • 2 Zitronen
  • 4 Orangen
  • 50g Zitronensäure
Holunderblütensirup
Holunderblütensirup

Alles vermischen, Zucker und Säure auflösen und 3 Tage lang ziehen lassen. Dann die Blüten, Orangen und Zitronen abseihen, den Sirup auf 75°C erwärmen und durch ein feines Sieb oder einen Filter heiß in saubere Flaschen abfüllen. Die fertigen Flaschen kühl und dunkel lagern. Viel Spaß dabei!

Warum Bio?

Ist es ein Trend oder etwas, dass eigentlich nur das Normale ist? Ist es die Zukunft oder nur ein Marketinggag? Es geht um Bio. Für manche sind das biologische Lebensmittel. Für andere ist das eine Lebenseinstellung. Auf unserem Hof gehört es einfach dazu.

Warum?

Weil wir unseren Hof schon lange biologisch bewirtschaften und davon überzeugt sind. Um beides zu verstehen, lohnt sich ein Rückblick.

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Bereits mein Opa (heute 91 Jahre alt) stellte auf biologischen Landbau um. Offiziell war das im Jahr 1969. Überzeugt von seinem Bruder Franz Kappel, der ein Pionier im Biolandbau in Österreich war. Das war lange, bevor in den 80er-Jahren die ersten Bio-Richtlinien kamen und Bio-Verbände gegründet wurden. Gerne erinnere ich mich an eine Geschichte von meinem Opa. Er erzählte mir, dass bereits sein Vater die Kühe zum Grasen auf die Weide ließ. Dabei war die ständige Anbindehaltung in finsteren Ställen damals gleich gewöhnlich wie Hühner, die in Käfigen gehalten wurden. Er folgte seinem Instinkt. Dieser gab den Pionieren auch die Motivation, sich nach dem 2. Weltkrieg und einer aufstrebenden Landwirtschaft Gedanken über ein Landwirtschaftssystem abseits von chemischen Pflanzenschutzmitteln und Kunstdünger zu machen, die gerade im Aufkommen waren. Was über tausende von Jahren nicht vorhanden war, sollte auf einmal das Allheilmittel für die Lebensmittelerzeugung sein. Doch sie kämpften für ihre Vision und legten damit den Grundstein, dass sich Österreich heute mit 24 %-Flächenanteil Bio-Europameister nennen darf.

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Das Grasen der Kühe auf der Weide ist ein wichtiges Merkmal im Bio-Landbau.
sdr
…und sie genießen es!

Aber warum biologisch?

Es gibt viele Gründe, die für eine biologische Bewirtschaftung sprechen. Düngung mit organischen Düngern, Verzicht auf mineralische Düngemittel und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, artgerechte Tierhaltung mit Auslauf und Weidegang, Verzicht auf gentechnisch hergestellte Betriebsmittel, ein möglichst geschlossener Betriebskreislauf, etc. All das wird auf unserem Hof gelebt. Besonders gut spiegelt sich bei uns der Kreislaufgedanke wider. Die Kühe werden mit hofeigenem Futter gefüttert, der Dünger wird auf die eigenen Flächen ausgebracht und daraus wächst das Gras und Getreide. Der Kreis schließt sich, wenn das Getreide (Dinkel und Roggen) in der Backstube zu Brot und Gebäck verarbeitet und am Hof verkauft wird.

Wie wird man eigentlich Bio-Bauer?

Diese Frage ist sehr schnell beantwortet. Wenn man die EU-Bio-Verordnung einhält. Diese wird einmal jährlich von einer Bio-Kontrollstelle überprüft. Dann darf man seine Produkte mit dem EU-Bio-Logo kennzeichnen.

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Das EU-Bio-Logo.

Darüber hinaus gibt es Bio-Verbände wie BIO AUSTRIA oder Demeter, bei denen man freiwillig Mitglied sein kann. Zwei Drittel aller österreichischen Bio-Betriebe (und auch wir) sind bei BIO AUSTRIA und halten sich freiwillig an strengere Richtlinien als in der europaweiten Verordnung. Und nicht nur das: damit sind die Lebensmittel bio und aus Österreich. Wären wir bei der Regionalität angekommen. Die kommt in Zeiten der Globalisierung ja immer mehr in Mode. Und das ist gut so. Warum? Weil es wichtig ist, trotz einer globalisierten Welt die eigene Region zu stärken. Kurze Transportwege und Arbeitsplatzsicherung heißen nur zwei der vielen Vorteile.

„Regional ist das neue Bio“ heißt es da immer wieder. Klingt so, als wie wenn man sich zwischen Bio aus aller Welt und den Produkten aus der Region entscheiden muss. Regional ist gut, hat aber einen Haken. Es gibt keine genaue Definition dafür. Für die einen ist es Österreich, für die anderen die eigene Kleinregion und für manche der Umkreis von 30 km. Problematisch wird es nämlich dann, wenn die Produktion zwar in der Region stattfindet, die Futter- und Verarbeitungsmittel aber von ganz wo anders herkommen. Entscheidend ist, den Blick auf das Ganze zu richten. „Wir schauen aufs Ganze“ ist der Slogan von BIO AUSTRIA. Da liegt man sicher richtig. Bio und regional zugleich.

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„Wir schauen aufs Ganze“ ist der Slogan von BIO AUSTRIA.

Ostern, Osterbrot und viele Traditionen

Ostern. Fest der Freude. Fest der Auferstehung. Fest des Osterhasen. Fest der Familie. Fest der Traditionen und Fest der Backwaren.

Man mag dem Osterfest viele Attribute zuschreiben, fest steht: Ostern ist ein Fest mit vielen und mit sehr unterschiedlichen Traditionen. Eigentlich hat bei uns wohl fast jede Familie ihre eigenen Traditionen. Bei Sophie war’s früher zum Beispiel so, dass man am Karsamstag zunächst gemeinsam zur Fleischweihe ging, und direkt danach – auf magische Weise – der Osterhase die Geschenke im Garten der Familie versteckt hatte. Große Freude. Kirchenbesuche standen jedoch nur selten während der Osterzeit an.

Bei Martin steht traditionell am Karsamstag das Aufstellen des Osterkreuzes am Programm. Das erledigen die Männer vom Höllberg, während die Frauen die Köstlichkeiten für die Osterjause zur Fleischweihe tragen und dort weihen lassen. Am Abend gibt’s dann alljährlich die „Nacht der Nächte“: die liturgische Feier der hochheiligen Osternacht, bevor man am Höllberg gemeinsam die Nacht zum Tag macht und neben dem Osterkreuz feiert.

Traditionen hin, Traditionen her. Was wohl zu jedem Osterfest im südlichen Teil der Steiermark gehört, ist das Osterbrot. Das Osterbrot gehört zur Osterjause wie Weihnachtskekse zur Weihnacht. Es ist also schlicht nicht wegzudenken.

Im Gegensatz zur den Keksen scheiden sich hier jedoch die Geister: „Mit oder ohne Rosinen?“ lautet hier die Frage aller Fragen. Und oft meint man, auch innerhalb einer Familie keinen Konsens auf diese Frage zu finden. Somit muss wohl ein Kompromiss her: beide Versionen werden gebacken, und alle sind zufrieden. Am Höllpaulihof backen wir aber nicht nur das Osterbrot für unsere Familie. Nein, auch für unsere Kunden wird fleißig gebacken. Und da gibt es neben dem klassischen Osterbrot auch noch „Osterbrot aus reinem Dinkelmehl“, „Osterbrot mit vielen Rosinen“, Osterpinzen, Osterhasenweckerl und Vieles mehr.

Was sind nun aber die Zutaten um ein richtig köstliches Osterbrot zu backen? Nun, neben Weizenmehl, Dinkelmehl, Öl, Milch, Germ, Zucker, Vanillezucker, Zitronenschale, Dotter, Salz, (Rosinen?), ist auch die Liebe zum Germteig eine Zutat, die nicht unwichtig erscheint. Dieser will nämlich gehegt und gepflegt werden. Nachdem alle Zutaten gemischt wurden, muss man ihn erst einmal „ruhen“ und „gehen“ lassen. Die Hefe beginnt in dieser Zeit mit ihrer Arbeit, verdaut den Zucker und lässt den Teig durch das ausgeschiedene CO2 fluffig und geschmeidig werden. Nach dieser Gehzeit, muss man ihn aber doch wieder härter anpacken: mit viel Kraft und noch mehr Geschick, unterstützt von einer großen Portion Mehl, um das Kleben an den Fingern zu verhindern, wird der Teig geknetet und in eine möglichst runde Form gebracht. Er sollte jetzt außerdem eine angenehm glatte Oberfläche bekommen haben, das trägt zur äußeren Schönheit bei. Zur Unterstützung der inneren Schönheit darf der Teig nun noch ein weiteres Mal gehen: im Gärkörbchen, zugedeckt mit einem Tuch. Es werden keine Kosten und Mühen gescheut, um dem Teig die notwendige Ruhe zu geben.

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Nachdem der Teigling wieder aufgegangen ist, folgen jetzt die letzten Schritte: Auf ein Backblech stürzen, mit Ei bestreichen, mit einer Stricknadel kleine Löcher hineinstechen und rasch ab in den Backofen! Nun nur darauf achten, dass das Osterbrot nicht zu lange gebacken wird. Es sollte außen gleichmäßig braun gebacken werden und gleichzeitig eine Kerntemperatur von mindestens 95°C erreichen. Erst dann ist es fertig.

Dann steht allerdings dem Genuss nichts mehr im Wege. Einem Genuss, der gleichzeitig ein untypisches Paradoxon darstellt: Nur zur Osterzeit genießt man süßes Brot mit pikantem Belag. Mahlzeit!

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Der Höllpaulihof

Jetzt haben wir schon einige Hofgeschichten über unseren Hof geschrieben. Ihr habt dabei einiges über unseren Hof erfahren und kennengelernt. Aber wer ist dieser Höllpaulihof eigentlich? Begeben wir uns auf eine Entdeckungsreise.

Der Biohof Kappel vulgo Höllpauli liegt im südlichsten Teil von Graz Umgebung, in der Gemeinde Dobl-Zwaring. Steiermark, Österreich- für die MitleserInnen aus aller Welt. Unsere Grundgrenze trennt nicht nur den Grund unseres Nachbarn mit unserem, sondern auch die Gemeinde Preding von Dobl-Zwaring und sogar die Bezirke Graz Umgebung und Deutschlandsberg. Wir sind sozusagen wahrliche Grenzgänger.

Vulgoname

Was hat es mit dem Höllpauli auf sich?

Vulgonamen haben im bäuerlichen Bereich eine lange Tradition und werden auch heute noch gerne verwendet. Während sich der Familienname ändern kann, bleibt der Vulgoname am Hof bestehen. Der erste Teil „Höll“ kommt vom Höllberg, wo unser Hof liegt. Neben uns gibt es noch drei weitere Bauern am Höllberg, bei denen der Vulgoname mit „Höll“ beginnt. Der zweite Teil kommt tatsächlich von einem Paul, der im 17. Jahrhundert Besitzer des Höllpaulihofs war.

In dieser Zeit (ca. ab 1660) beginnen auch die durchgängigen Besitzaufzeichnungen auf unserem Hof. Seit dem Jahr 1887 ist der Bauernhof im Eigentum der Familie Kappel – damals waren das die Ururgroßeltern von Martin – Franz und Anna Kappel. Heute bewirtschaften Monika und Andreas Kappel den Hof in vierter Kappel-Generation. Mit ihren drei Kindern Martin, Magdalena und Florian. Die Familie komplett macht Opa Josef mit seinen 91 Jahren.

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Die Milch der Kühe ist ein Produkt, das am Hof verkauft wird

Was zeichnet den Höllpaulihof aus?

Da gibt es mehrere Dinge. Es ist seine besondere Lage. Im Kessel des Höllbergs gelegen, mit der vielfältigen Hofstruktur und den Feldern rundherum. Es sind die Produkte wie Brot, Gebäck und Milch, die den Hof auszeichnen. Es ist die Pionierrolle im Bio-Landbau, die bereits bis ins Jahr 1969 zurückgeht. Und es sind natürlich die Menschen, die hier arbeiten. Ja, wer sind die eigentlich?

Monika ist die Chefin in der Backstube und im Hofladen, Andreas hat das Sagen im Stall und am Feld. Zusammen managen sie den Höllpaulihof. Die Kinder helfen oft mit, sofern es die Ausbildung, der Job und die Freizeitaktivitäten erlauben. Es sind nämlich viele helfende Hände nötig, um die vielen Arbeiten am Bauernhof zu erledigen. Und natürlich auch die  Flächen zu bewirtschaften. Das sind viele Wiesen für die Kühe, einige Äcker für den Getreideanbau und Wald für das Brennholz am Hof. Kreislaufwirtschaft könnte man das nennen. Die Kühe, der Dünger für die Felder und Wiesen, das Futter für die Kühe und das Getreide für das Brot. Ein Kreislauf – jahrein und jahraus. Und doch immer wieder verschieden.

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Moritz, unser Esel

Und was ist mit den Tieren?

Neben den Menschen machen Tiere einen Bauernhof lebendig. Bei uns sind das 15 Milchkühe, ca. ebenso viele Kälber und Kalbinnen, ein Esel, 30 Hühner und einige Katzen. Bei denen weiß man nie ganz genau, wieviele es sind. Einige sind nämlich zutraulich, andere lassen sich nur manchmal blicken.

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Die Katzen genießen das Leben am Bauernhof

Eines haben alle Tiere gemeinsam – sie halten uns auf Trab. Sie wollen nämlich täglich betreut werden. Ob es Sonntag ist oder nach einer langen Silvesternacht, das ist den Tieren egal. Trotz der vielen Arbeiten geben sie aber natürlich auch Vieles zurück. Gute Produkte, aber auch viele schöne Momente. Tiere gehören auf einem Bauernhof fast dazu. Auf unserem auf jeden Fall!

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Hühner gehören auf einem Bauernhof einfach dazu

Futter für die Tiere

Wer ein Haustier zuhause hat, weiß wie hungrig Hund und Katze oder Ähnliches sein können. Wer schon mal einem Huhn beim Fressen zugeschaut hat, weiß, dass da auch einiges weitergeht. Wenn es jedoch in die Sphäre der Kuh geht, nimmt der Futterbedarf neue Dimensionen an.

15 bis 20 Kilogramm frisst so eine Kuh nämlich pro Tag. Trockenmasse. Das mitaufgenommene Wasser ist dabei schon abgezogen. Und das ist doch ordentlich viel. In einem Kilo Grassilage sind beispielsweise ca. 65 % Wasser enthalten, in Heu ca. noch 12 % und frisches Gras enthält rund 80 % Wasser. Da kommt an einem ganzen Tag schon ordentlich was zusammen – 60 bis 80 kg aufgenommenes Futter können das pro Kuh schon werden.

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Das Gute an der Kuh ist, dass sie das frisst, was der Mensch nicht verdauen kann. Nämlich Gras. Ganz nebenbei hält sie die Wiesen damit von Bäumen und Sträuchern frei, die sonst sehr bald verwalden würden. Das eigene Auge und der Tourismus freuen sich.

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Als Wiederkäuer ist die Kuh mit vier Mägen ausgestattet. Drei mehr als der Mensch, um die schwer verdauliche Zellulose in körpereigene Nährstoffe umwandeln zu können. Wie die Kuh das macht, ist eine Reise wert. Kommst du mit?

Wir beginnen beim Fressen. Mit der Zunge wird das Futter von der Wiese abgerissen oder vom Futtertrog aufgenommen. Wer glaubt, da gelingt das Aussortieren nicht, sollte mal einen fast ausgefressenen Futtertrog betrachten. Ein Feinspitz, so eine Kuh. Danach schlingt sie das Futter fast ungekaut herunter. Hauptsache eine große Menge geht hinein. Mit möglichst gutem Geschmack.

Warum macht die Kuh das? Weil sie weiß, dass in den nächsten Stunden noch genug Zeit zum Wiederkauen bleibt. Weiter geht die Reise. Und führt in den ersten und größten Magen, den Pansen. 150 bis 180 Liter haben dort Platz. Im Pansen sammelt sich das gesamte Futter und wird durchgeknetet. Was zu grob ist, wird in kleine Portionen sortiert und der Kuh in der Ruhephase wieder in das Maul geschickt. Und schon geht das Kauen los. 50-60 Mal im Normalfall, bis der Knäuel wieder runtergeschluckt wird. Und die nächste Portion kommt. Ein Tipp: beim nächsten Mal unbedingt im Kuhstall beobachten!

Ist das Futter klein genug, geht es über den Netzmagen und den Blättermagen in den Labmagen. Letzterer funktioniert ähnlich wie der Magen beim Mensch. Dünndarm, Dickdarm und so weiter. Alles bekannt. Die Reise endet am hinteren Ende der Kuh. Und beginnt wieder beim Wachsen vom Gras.

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Einblick in die Grassilage

Unsere Kühe bekommen Heu, Silage und Gras zu fressen. Davon ganz schön viel. Und in kleinen Mengen Gerste und Mais. Im März, sobald die Gräser zu sprießen beginnen, kommen die Kühe bereits auf die Weide. Nach dem Melken in der Früh sieht man ihnen die Freude richtig an, wenn sie auf die Weide gehen. Ob sie am Abend zum Melken von selbst kommen oder man sie holen muss, hängt vom Wetter und vom Gras auf der Weide ab. Das geht bis in den Herbst so. Bis das Graswachstum nachlässt und das Wetter nicht mehr mitspielt. Dann freuen sich die Kühe im Laufstall (und auch Moritz, der Esel) auf das gute Heu und das durch Milchsäuregärung haltbar gemachte Gras (Grassilage).

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Heu darf max. 14 % Wasser enthalten, um lagerfähig zu sein.

Ein wichtige Aufgabe am Bauernhof ist, das ganze Jahr über genug Futter für die Tiere bereitzuhalten. Vor allem für den Winter muss bereits in den Sommermonaten genug Futter eingelagert werden. Wäre doch blöd, wenn auf einmal mitten im Winter das Futter ausgeht. Schließlich brauchen Kühe Tag für Tag ganz schön viel Futter. Oder wie war das nochmal?

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